Dienstag, 26. Januar 2010

Zentralrat fühlt sich ausgegrenzt

Islam.de, die Homepage des "Zentralrats der Muslime", veröffentlicht einen Artikel zu einer Studie "Muslims in Europe", nach welchem angeblich nur 11% der Muslime in Deutschland mutmaßen, jemals "als Deutsche wahrgenommen" zu werden. Der Text strotzt nur so von ebenso tendenziösen wie nebulösen Phrasen.
Eine Mehrheit [der Muslime] fühle sich längst in deutschen Großstadtkiezen daheim, hier engagierten sich Muslime auch mehr als früher, sagte Werner Schiffauer von der Viadrina-Universität Frankfurt/Oder, der an der Studie mitgearbeitet hat. Dass muslimische Eltern kein Interesse an der Ausbildung ihrer Kinder hätten, sei ein Vorurteil! Viele wünschten sich Erfolge für ihre Kinder, fühlten sich dem "komplexen Gebilde Schule" aber nicht gewachsen.
So werden die Balken zurechtgelogen, bis es kracht.
Quelle: http://www.islam.de/15276.php


Donnerstag, 21. Januar 2010

Grunebaum über Wissenschaft im Islam


Es gibt zwei moderne Mythen, die Feuilletonisten und Funktionäre des politischen Islam immer wieder aufleben lassen: der eine ist Al Andalus, Spanien unter islamischer Herrschaft, der andere ist die kulturelle und wissenschaftliche Blütezeit des sogenannten Hochislam. Während Al Andalus immer wieder als Idealentwurf einer "multikulturellen" Gesellschaft bemüht wird, freilich ohne auf den Status der Juden und Christen als Dhimmis und die Rolle der Scharia in der Gesellschaftsordnung hinzuweisen, wird der Hochislam dazu gebraucht, kritische Stimmen mit der Behauptung zurechtzuweisen, dass "der Islam" all das nicht sei, was ihm vorgeworfen wird. Weshalb "der Islam" nach einer kurzen Phase der Innovation erst in Stagnation und dann in Regression verfiel, wenn er doch die freien Wissenschaften "begünstigt" oder gar erst möglich macht - schließlich werden die Leistungen herausragender Gelehrter wie Avicenna oder Averroes immer wieder pauschal "dem Islam" zugeschlagen - erscheint daher als ungelöstes Rätsel. Einigkeit besteht darüber, dass der westliche Kulturimperialismus "den Islam" in seiner kulturellen Entwicklung gehindert habe; nach Gründen des schleunigen Verfalls, die in der islamischen Kultur und Weltanschauung selbst ihre Wurzeln haben, wird in der veröffentlichten Meinung kaum gefragt.
Einen differenzierteren Blick auf den Rang der Wissenschaft innerhalb des islamischen Systems wirft der Orientalist Gustav Edmund von Grunebaum (1909-1973) in seinem Werk Der Islam im Mittelalter (Zürich 1963):
Es ist billig, aber ein wenig irreführend, die wissenschaftliche Leistung des islamischen Kulturkreises nach den hervorragenden Errungenschaften einer Handvoll außergewöhnlicher Männer zu beurteilen. Es ist billig, weil der ungewöhnliche Beitrag fortlebt, ferne Generationen zu beeinflussen, irreführend aber mit Hinblick auf die Einstellung, die der durchschnittliche muslimische Forscher seiner Arbeit entgegenbringt. In seinen Augen waren die Wissenschaften letzten Endes ein stabiles System formaler und materialer Wahrheiten, die zu (nach unserer Ausdrucksweise) vorhistorischen Zeiten dem Menschen zur Aufbewahrung übermittelt worden waren. Ibn al-Qifti (gest. 1248) erklärt:
„Die Gelehrten der verschiedenen Nationen, umam, sind in der Frage uneins, wer als erster über Weisheit, hikma, und ihre Pfeiler, Propädeutik, rijada, Logik, natürliche und theologische (physische und metaphysische) Wissenschaften (tabii, ilahi) diskutiert hat, wbobei jede Gruppe (diesen Pionier) unter ihrem eigenen Volk zu finden weiß. In Wirklichkeit aber ist keiner von diesen der erste gewesen. Als die Forscher die Frage gründlich untersucht hatten, begriffen sie, daß dieser (Anfang wissenschaftlicher Erkenntnis) prophetisches Wissen, nubuwwa, war, das auf Idris (Henoch) herabgesandt worden. All die Bahnbrecher, awail, die in den verschiedenen Teilen der Welt angeführt werden, haben ihre Kenntnisse aus den Berichten seiner Schüler oder der Schüler seiner Schüler.“
Im gleichen Geist hatte Ibn Hazm zwei Jahrhunderte früher gelehrt: „Wir wissen mit absoluter Sicherheit, daß kein Mensch an Wissenschaften und Künste aus eigenem herankommen hätte können, nur von seinem natürlichen Ingenium geleitet und ohne Unterweisung. (Das gilt beispielsweise für) die Medizin, die Kenntnis der Temperamente, die Krankheiten und ihre Ursachen in ihrer Vielfalt und Verschiedenheit, und die Auffindung ihrer Heilbehandlung mit Hilfe von Medikamenten, aqaqir, die in ihrer Gesamtheit niemals hätten ausprobiert werden können. Denn wie hätte jedes Medikament an jeder Krankheit versucht werden können, wo ein solches Vorgehen doch zehntausend Jahre erfordert und die Untersuchung jedes einzelnen Kranken auf der Welt notwendig machen würde?“ Und was für die Menschen gilt, gilt auch für die Astronomie, usw.
Der Herr hatte der Menschheit dieses Wissen geschenkt, auf daß sie seinen Ruhm in den Wundern der Welt begriffe. So waren denn letztes Ziel und letztes Ergebnis aller Forschung vorgegeben. Studien, die nicht mit der richtigen Gesinnung durchgeführt wurden oder zu unerwarteten metaphysischen Schlußfolgerungen leiteten, trugen den Makel der Häresie. Die sich dem griechischen Ideal einer einzig vom Verlangen nach Wahrheitsfindung motivierten Forschung ergaben, konnten nicht zahlreich sein in einer Geistes- und Gesellschaftsordnung, deren Stabilität, oder besser: deren Fortbestand an der unausgesetzten Rechtfertigung geoffenbarter Einsichten in die Wirklichkeit hing.
Der Psalmist hatte verkündet: „Die Himmel erzählen die Ehre Gottes, und die Feste verkündigt seiner Hände Werk.“ Der Syrer Barhadbsabba von Halwan (blühte um 600) hatte erklärt: „Drei Dinge sind der Natur vernunftbegabter und zur Ausführung des Guten erschaffener Wesen hinderlich: das Böse, die Unwissenheit und die Schwäche.“ Wissen rechtfertigt sich durch seinen ethischen und erzieherischen Wert. Es beginnt und endet mit Bewunderung für den Schöpfer und Verständnis seiner Gesetze.

Samstag, 16. Januar 2010

Zentralrat der Muslime (ZMD): Amerikanische Muslime gegen Terror

Laut ZMD-Sprachrohr www.islam.de beschweren sich Muslime weltweit darüber, dass "Terror mit ihnen in Verbindung gesetzt" wird, ein Anliegen, das wohl seine Berechtigung hat, da jeder denkende Mensch allenfalls nach Verbindungen zwischen Terrorismus und Islam sucht und nicht zwischen Terrorismus und "den Muslimen". Der "Nicht in unseren Namen: Amerikas Muslime protetieren" (sic) betitelte Text führt jedoch weiter aus:
In Detroit versammelten sich vergangene Woche die amerikanischen Muslime um gemeinsam gegen Terrorismus zu demonstrieren. Anlass war die Verführung  [sic, gemeint ist "Vorführung"] des Nigerianers, der versucht hatte ein US-Flugzeug in die Luft zu sprengen, vor Gericht. „Wir lassen diese Terroristen nicht unsere Religion kidnappen” so Majed Moughni, der aus dem Libanon nach Detroit zog. “Wir versuchen uns seit neun Jahren vom 11. September zu erholen.
Jetzt das genau vor unserer Haustür, über den Köpfen der größten muslimischen Gemeinde in Nordamerika.“
Zahlreiche amerikanische Muslime, Araber und Nigerianer demonstrierten bei kaltem Wetter vor dem Gerichtsgebäude um den Terror zu verurteilen. Amerikanische Flaggen schwenkend trugen die Demonstranten Schilder auf denen „Islam ist gegen Terror“, „Nicht im Namen des Islam“ oder „Nicht in unserem Namen“ zu lesen war.
Alles schön und gut, aber weil es ein wenig zu gut klingt, um wahr zu sein, lohnt es sich ein wenig über die Demo in Detroit zu recherchieren. Pam Geller von Atlas Shrugs weiß zum Beispiel genau, wie "zahlreich" die "amerikanischen Muslime" erschienen sind:
So it is disturbing that a protest outside the jihadi's arraignment of Muslims protesting Islamic terror -- "Not in the name of Islam" -- drew so few people. Organizers expected hundreds of local Muslims to join a silent protest Friday in Detroit outside the hearing for Flight 253 terror suspect Umar Farouk Abdulmutallab.
"This is people from all over Southeast Michigan coming together and saying we're against terrorism. Our message is going to be louder than the message the terrorists have sent. The masses will be speaking," Majed Moughni told Fox 2. (more here)
The New York Times reported that 12 men and women identifying themselves as Detroit-area Muslims showed (I wonder if they inflated it). This despite major publicity and media attention and pretrial publicity.
Outside court, about a dozen people held up signs reading "Islam is against terrorism" and "Not in the name of Islam."
 Die zwölf aufrechten Muslime von Detroit sind für islam.de Grund genug, daran zu zweifeln, ob "Nacktscanner" und verschärfte Sicherheitskontrollen für muslimische Fluggäste seitens der USA sinnvoll sind:
Aufgrund des misslungenen Attentats haben die USA die Sicherheitsmaßnamen für Passagiere aus vornehmlich muslimischen Ländern verschärft. Reisende aus diesen Ländern, oder solche die einen Pass aus diesen Ländern besitzen werden müssen sich Extra-Checks und Leibesvisitationen unterziehen. Ihr Gepäck und Kleidung werden nach Spuren von Sprengstoff untersucht und sie müssen durch die auch in den USA umstrittenen Nacktscannern.
Denn wenngleich die statistische Wahrscheinlichkeit gegen Null geht, dass man in einem Flugzeug ums Leben kommt, das ein christliches oder jüdisches Selbstmordkommando sprengt oder ins nächste Hochhaus steuert, ist es ja nur gerecht, wenn alle Passagiere gleich stark verdächtigt werden.
Dass sich muslimische "Gelehrte" Detroits darauf geeinigt hätten, "Terrorismus im Namen des Islam" scharf zu verurteilen, hat der rasende Reporter des ZMD hoffentlich nicht aus dem Kaffeesatz gelesen. 


Chaim Noll über den neuen Antisemitismus

Seit wenigen Tagen ist die Dezember-Ausgabe der "Neuen Ordnung" online verfügbar. Darin ein Artikel von Chaim Noll, der von allem Anfang an Klartext spricht:
Seit einigen Jahren spricht man in Europa von einem „neuen Antisemitismus“. Zur Prägung des Begriffs führten der neuerliche Anstieg judenfeindlicher Gewalttaten und die wachsende Haß-Propaganda gegen Israel. Träger der europaweiten Bewegung sind vor allem Gruppen, die erst neuerdings als judenfeindlich wahrgenommen werden, wie zum Beispiel die europäische Linke oder bislang selbst für bedroht erachtete Minderheiten, vor allem Muslime.
Als traditionell judenfeindlich gilt in Europa die politische Rechte. Dagegen wurde der Antisemitismus der europäischen Linken lange nicht als solcher wahrgenommen, auch nicht so bezeichnet. Linker Antisemitismus erschwert aus mehreren Gründen seine Wahrnehmung: einmal, weil er sich hinter progressiven Parolen verbirgt („Solidarität“, „Befreiung unterdrückter Völker“, „Kampf für Menschenrechte“), zum anderen, weil er sich vornehmlich als sogenannter „Antizionismus“ geriert, als Aversion – im eigenen Sprachgebrauch „Kritik“ – gegenüber dem Staat Israel. Auch der heutige islamische Judenhaß entzündet sich scheinbar am Staat Israel, erstreckt sich jedoch darüber hinaus auf alle Juden der Welt, die eo ipso als Handlanger des Zionismus gelten.
So ist es! Der "neue Antisemitismus" quillt zwar aus sämtlichen heiligen und unheiligen Texten der muslimischen  und linken Ideologen, aber das Blut der Gutmenschen gerät nur dann in Wallung, wenn ein Idiot in Schwerin die SS-Runen in den Schnee schifft!
Weiter im Text dort.
Auch der Raddatz-Text darunter ist lesenswert, auch wenn ich selbst Atheist bin.

Donnerstag, 14. Januar 2010

Mazyek: Islamkritik = rechtsradikal = Terror in Malaysia


Aiman A. Mazyek schreibt einen Artikel über Malaysia und ein Gerichtsurteil, das es den dortigen Christen wieder erlaubt, den Begriff „Allah“ für Gott zu verwenden und zitiert dabei zweimal aus dem Koran. Wenn jemand wie Mazyek aus dem Koran zitiert, ist das schon ein Grund, genauer hinzuschauen.
Mazyeks Text hebt mit folgenden Worten an:
Die Debatte in Malaysia zeigt erstaunliche Parallelen zu Deutschland: Christliche Fundis und Rechte wettern wie ihre ideologischen Vettern in Malaysia: Exklusivistisch, verletzend und aggressiv.
Der Leser ist verwirrt, denn durch diesen Auftakt mag der Eindruck entstehen, dass es in Malaysia wie auch in Deutschland die Christen seien, die exklusivistisch, verletzend und aggressiv vorgehen – gegen den Islam. Mazyek legt von Beginn an eine falsche Fährte, denn wenn der Vergleich zwischen Deutschland und Malaysia zutreffen sollte, hätte er darauf hinweisen müssen, dass hierzulande eben kein Gericht die Muslime zwingt, „Allah“ durch „Gott“ zu ersetzen. Ein raffinierter Trick, denn auf diese Weise gelingt es dem Verfasser, „christliche Fundis“ und „Rechte“ mit radikalislamischen Strömungen in Malaysia gleichzusetzen, die dort übrigens auch allen anderen Buch- und Naturreligionen das Leben schwer machen, ohne dass er diese überhaupt erwähnt. Das tut Mazyek aus einem ganz bestimmten Grund, auf den wir gleich zurückkommen werden.
Statt unmittelbar auf die Rolle des Islams im Konflikt einzugehen, nimmt Mazyek direkt Deutschland und Christentum ins Visier:
In Europa und speziell in Deutschland wird leider auch immer öfter und militanter aus christlich fundamentalistischen Kreisen und Gruppen versucht, Identität durch Abgrenzung zu den Muslimen zu erzeugen, und zwar ähnlich wie in Malaysia mit der Diskussion um Gott/Allah, nur in umgekehrter Stoßrichtung versteht sich.

Mit diesem aberwitzigen Konstrukt wird der Mehrheit unterstellt, sie definiere ihre Identität über Ausgrenzung der Minderheit statt über eigene Werte. Kein Wort über die Selbstausgrenzung des Islam, der im Falle Malaysias selbstherrlich und höchstrichterlich der christlichen Minderheit an der Identität flicken wollte.
Der ehemalige MdB und rechte Hardliner Martin Hohmann ist da ein beredtes Beispiel dafür. Er behauptete doch allen Ernstes, Allah wäre eine „altarabische Naturgottheit" und die Muslime glauben nicht an den Gott der Christen. Diese These finden sich heute in vielen einschlägig bekannten rechtsradikalen Internetforen und Publikationen als „Wissen“ über den Islam wieder.

Womit Hohmann wenigstens insofern im Recht ist, als Allah im alten Arabien sich den Himmel mit zahlreichen Göttern teilte und Söhne und Töchter zeugte. Einen Nachhall dieser Götterwelt vor Mohammed gibt sogar noch der Koran in manchen seiner Verse, stärker erhalten hat er sich im arabischen Volksglauben in Form von Dschinns, dämon- oder halbgottartigen Wesen.
Es gehört allgemein zum Fahrplan und Weg der Rechten, dass sie über diese Themen weiter versuchen, die Muslime in diesem Land zu marginalisieren.

Wogegen Mazyeks Kollegen aus den Islamverbänden ja mit Muslim-Quoten anzukämpfen gedenken.
Motiv und Motivation bei all diesen Geisterdebatten ist die Angst vor dem Fremden, dem Unbekannten. Der nächste Schritt ist dann nicht mehr weit: Gegenüber dem Fremden muss zur Verteidigung des eigenen Glaubens geschritten werden, denn er unterwandert diesen ja. Und schon befindet man sich in einer destruktiven Abwehrschlacht. In so einer Phase sagt übrigens der Koran zu den Muslimen: „Euch eure Religion und uns unsere Religion“ (Koran: Sura 109, Vers 6). Ich würde mir wünschen, wenn wir Muslime diese Gelassenheit öfter an den Tag legen.

Was nichts anderes bedeutet, als dass jegliche Kritik am Islam als „Angst“ zu verstehen ist, gegen die der Islam bzw. der Koran selbst die einzige Therapie ist. Schlagen wir daher den Koran auf und lesen nach, was in Sure 109 (Titel: „Die Ungläubigen“) steht:
1: Sag: O ihr Ungläubigen,
2: ich diene nicht dem, dem ihr dient,
3: und ihr dient nicht Dem, Dem ich diene.
4:Und ich werde (auch) nicht dem dienen, dem ihr gedient habt,
5: Und ihr werdet nicht Dem dienen, Dem ich diene.
6: Euch eure Religion und mir meine Religion.

Diese Übersetzung stammt von islam.de, Mazyeks eigener Homepage. Sie belegt nun zweifelsfrei, dass der christliche Gott und der islamische Allah ein und derselbe sind. D.h., für Mazyek, jedenfalls. Auch wenn der Kommentar zur Übersetzung von Ullmann und Winter präzisiert:
Offenbart wurde diese Sure, als einige Araber von [Mohammed] verlangten, er solle ein Jahr lang ihre Götter verehren, dann wollten sie ebensolang Allah verehren.
Dass nämlich malayische Muslime im Umgang mit Andersgläubigen sehr wenig Gelassenheit an den Tag legen, erwähnt Mazyek erst in diesem Moment ausdrücklich. Um dann sogleich den Bogen zurück nach Deutschland zu schlagen:
Die Rhetorik in den Foren dort kommt einem dennoch seltsam bekannt vor, wird sie doch jeden Tag in den eben zitierten, einschlägig bekannten rechtsradikalen Internetblogs gegen die Muslime verwendet.

Mazyek nennt vorsichtshalber keins der rechtsradikalen Internetblogs. Vermutlich weil er sie selbst nur vom Hörensagen kennt und der Rechtsradikalismus erst im Einzelfall nachgewiesen werden müsste, was allerdings ein Differenzierungsvermögen voraussetzt und somit nicht zweckdienlich sein dürfte.
Es folgt nun das Schlussplädoyer von angeblich verletzter Menschenwürde und Religionsfreiheit über den frommen Wunsch, dass wir alle unserem „Schöpfer“ dienen mögen. Dann der letzte Trumpf, ein weiteres Koranzitat, das angeblich zu Lessingscher Gelassenheit ermuntert, in Wahrheit aber zum Bumerang wird und Mazyeks gesamte Islamkritiker-Kritik zum Einsturz bringt:
Warum können wir nicht (allesamt Juden, Christen, Muslime) die Lessingsche Gelassenheit an den Tag legen, zu dem uns der Koran (Sure 5, Vers 48) ermuntert: „Und hätte Gott es gewollt, Er hätte euch – Juden, Christen und Muslime - zu einer einzigen Gemeinde gemacht. Doch wollt Er euch prüfen in dem, was Er jedem von euch gab. Wetteifert darum in den guten Taten.“

Ja, warum können „wir“ das eigentlich nicht? Lesen wir erneut die Koranübersetzung von islam.de:
43: Wie aber können sie dich richten lassen, während sie doch die Thora haben, in der das Urteil Allahs (enthalten) ist, und sich hierauf, nach alledem, abkehren? Diese sind doch keine Gläubigen.
44: Gewiß, Wir haben die Thora hinabgesandt, in der Rechtleitung und Licht sind, womit die Propheten, die sich (Allah) ergeben hatten, für diejenigen, die dem Judentum angehören, walten, und so auch die Leute des Herrn und die Gelehrten, nach dem, was ihnen von der Schrift Allahs anvertraut worden war und worüber sie Zeugen waren. So fürchtet nicht die Menschen, sondern fürchtet Mich. Und verkauft Meine Zeichen nicht für einen geringen Preis! Wer nicht nach dem waltet, was Allah (als Offenbarung) herabgesandt hat, das sind die Ungläubigen.
45: Und Wir haben ihnen darin vorgeschrieben: Leben um Leben, Auge um Auge, Nase um Nase, Ohr um Ohr, Zahn um Zahn; und (auch) für Verwundungen Wiedervergeltung. Wer es aber als Almosen erläßt, für den ist es eine Sühne. Wer nicht nach dem waltet, was Allah (als Offenbarung) herabgesandt hat, das sind die Ungerechten.
46: Und Wir ließen auf ihren Spuren ʿĪsā, den Sohn Maryams, folgen, das zu bestätigen, was von der Thora vor ihm (offenbart) war; und Wir gaben ihm das Evangelium, in dem Rechtleitung und Licht sind, und das zu bestätigen, was von der Thora vor ihm (offenbart) war, und als Rechtleitung und Ermahnung für die Gottesfürchtigen.
47: Und so sollen die Leute des Evangeliums nach dem walten, was Allah darin herabgesandt hat. Wer nicht nach dem waltet, was Allah (als Offenbarung) herabgesandt hat, das sind die Frevler.
48: Und Wir haben zu dir das Buch mit der Wahrheit hinabgesandt, das zu bestätigen, was von dem Buch vor ihm (offenbart) war, und als Wächter darüber. So richte zwischen ihnen nach dem, was Allah (als Offenbarung) herabgesandt hat, und folge nicht ihren Neigungen entgegen dem, was dir von der Wahrheit zugekommen ist. Für jeden von euch haben Wir ein Gesetz und einen deutlichen Weg festgelegt. Und wenn Allah wollte, hätte Er euch wahrlich zu einer einzigen Gemeinschaft gemacht. Aber (es ist so,) damit Er euch in dem, was Er euch gegeben hat, prüfe. So wetteifert nach den guten Dingen! Zu Allah wird euer aller Rückkehr sein, und dann wird Er euch kundtun, worüber ihr uneinig zu sein pflegtet.
49: Und so richte zwischen ihnen nach dem, was Allah (als Offenbarung) herabgesandt hat, und folge nicht ihren Neigungen, sondern sieh dich vor ihnen vor, daß sie dich nicht der Versuchung aussetzen (abzuweichen) von einem Teil dessen, was Allah zu dir (als Offenbarung) herabgesandt hat! Doch wenn sie sich abkehren, so wisse, daß Allah sie für einen Teil ihrer Sünden treffen will. Viele von den Menschen sind fürwahr Frevler.
50: Begehren sie etwa das Urteil der Unwissenheit? Wer kann denn besser walten als Allah für Leute, die (in ihrem Glauben) überzeugt sind?
51: O die ihr glaubt, nehmt nicht die Juden und die Christen zu Schutzherren! Sie sind einer des anderen Schutzherren. Und wer von euch sie zu Schutzherren nimmt, der gehört zu ihnen. Gewiß, Allah leitet das ungerechte Volk nicht recht.

Und worin besteht nun die Lessingsche Gelassenheit? Darin, dass es nach den Worten des Koran Mohammed-Allah ist, der die „Rechtleitung“ und „Offenbarung“ bringt, die jüdische und christliche Frevler verfälscht und verdrängt haben.
Darum brannten die Kirchen in Malaysia, darum die islamische Selbstausgrenzung, darum wird der Konflikt weiter schwelen, solange der Wortlaut des Koran aus dem 7. Jahrhundert nach Christus die Grundlage des muslimischen Lebens sein soll. Denn extremistische, gewaltbereite Muslime berufen sich offenbar auf genau denselben Koran wie die friedfertigen Muslime.
Mazyek geht es nicht darum, islamische Extremisten zu bekämpfen, sondern den Islam in frommer Dschihad-Tradition zu verbreiten. Wäre dem nicht so, würde er andere Aspekte in den Mittelpunkt seiner Betrachtungen stellen.


Dienstag, 12. Januar 2010

Der Kaiser ist nackt (Repost vom November 2008)

Die "Islamische Zeitung" berichtet noch einmal über die fatwa der einflussreichen indischen Islamschule Darul-Uloom-Deoband:
Mehr als 6000 ranghohe islamische Rechtsgelehrte und Geistliche aus ganz Indien haben in einem gemeinsamen Appell jede Form von Terrorismus scharf verurteilt. Bei der Vollversammlung einer der wichtigsten islamischen Organisation in Indien, der Jamiat Ulema-e-Hind, nannten Sprecher den Islam am Sonntag in der südindischen Metropole Hyderabad eine «Religion des Friedens». Die «Ausbeutung der Erde...
Geht es vielleicht etwas präziser?
...und das Töten Unschuldiger» seien die «unmenschlichsten» aller Verbrechen, hieß es. Daher folgten Terroristen keiner Religion. Gleichzeitig bekräftigten die Teilnehmer eine Fatwa gegen den Terrorismus. Das islamische Rechtsgutachten war Ende Mai von einer der einflussreichsten islamischen Hochschulen Asiens, der in Nordindien beheimateten Darul-Uloom-Deoband, erlassen worden. Darin wird der Terrorismus als «Geißel der Menschheit» bezeichnet, die ausgerottet werden müsse. Nach Medienberichten wollen in den nächsten Tagen insgesamt 50 000 islamische Geistliche die Fatwa unterzeichnen.
Ein gutes Zeichen? - Nein, ist es nicht. Es ist gruselig. Denn die fatwa verdammt nicht das Töten an sich, sondern nur das "Töten Unschuldiger". Kurz und bündig wie "Du sollst nicht töten!" geht es nicht, denn das steht nicht im Koran. Wer einen "Schuldigen" tötet ist folglich kein Terrorist und wird nicht "ausgerottet".
Aber das ist noch nicht des Pudels Kern. Der liegt nämlich vielmehr darin, dass es gesamtislamischer Konsens ist, dass das "Töten Unschuldiger" verboten ist - bis hin zu dem "Islamisten", der im britischen Fernsehen seinem ungläubigen Gegenüber brühwarm erklärte, dass man allein schon dadurch Schuld auf sich lädt, dass man kein Muslim ist. Und im Grunde sagt Diyanet-Chef Ali Bardakoglu genau dasselbe, wenn er feststellt: Der Koran schreibt vor, dass man die Menschen durch Vernunft und Rede überzeugen soll. Wenn die Heiden dies aber verhindern wollen, dann erlaubt der Koran, auch gegen sie zu kämpfen. Sie reden alle gleich daher.
Und darum wird sich nichts ändern, rein garnichts, selbst wenn statt den 50.000 fünf Millionen Geistliche das Papier unterschreiben. Terroristen werden weiterhin in Hochhäuser fliegen oder sie wegsprengen, wenn sie die Gelegenheit dazu haben, solange ihre Bewohner Ungläubige sind. Apostaten werden weiterhin bedroht, ermordet, hingerichtet werden. Frauen, Christen, Juden werden weiterhin drangsaliert werden, weil allein ihre Existenz eine ungeheure Provokation darstellt. Sie alle sind schuldig, ausnahmslos.
Auf einen weiteren Aspekt kann man nicht oft genug hinweisen. Er wirft noch einmal ein neues Schlaglicht auf die Angelegenheit und beweist endgültig, dass der Kaiser keine neuen Kleider trägt, sondern nackt ist. Die "Islamische Zeitung" lässt nämlich schon wieder den wichtigsten Satz aus dem Konzeptpapier der Darul-Uloom-Deoband über "Islam und Terrorismus" weg. Er lautet:
Linking Islam, a religion of peace with terrorism itself amounts to an act of terrorism. (Quelle)
Erinnern wir uns, dass vor bald drei Jahren, im sogenannten "Karikaturenstreit" der Generalsekräter der "Organisation der Islamischen Konferenz" (OIC), Ihsanoglu beipflichtete:
Die Veröffentlichung der beleidigenden Karikaturen des Propheten Mohammed habe in der islamischen Welt einen vergleichbaren Effekt gehabt, wie die Anschläge vom 11. September 2001 im Westen. (Quelle)
Und das zeigt wieder mal, wo der Islam die Prioritäten setzt, wenn es um Menschenleben geht - insbesondere um ungläubige, schuldige Leben.

Montag, 11. Januar 2010

G.E. von Grunebaum: Die Frau im Islam

Den US-amerikanischen Orientalisten Gustav Edmund von Grunebaum (1909-1972) habe ich an dieser Stelle bereits mit seinem Werk Der Islam im Mittelalter zitiert. Grunebaum gehört zu einer Generation von Wissenschaftlern, die sich bei der Beschreibung des Systems "Islam" nicht zu schade war, auch Grautöne zu erfassen. Nachfolgend nun ein weiterer Auszug aus Der Islam im Mittelalter, diesmal zur Rolle der Frau. Man halte sich dabei die abwiegelnden und beschönigenden Kommentare zum Thema "Frau im Islam" vor Augen, die zeitgenössische Islamfunktionäre ständig im Munde führen.

Es ist wiederum die Sitte der Stadt, die sich in der Verschleierung und Abschließung der freien muslimischen Frau durchgesetzt hat. Die mekkanische Frau von Stand scheint den Schleier getragen zu haben. Muhammads Wunsch, die Frauen an den gottesdienstlichen Übungen und bis zu einem gewissen Grad am geistlichen Leben der Gemeinde überhaupt teilnehmen zu lassen, lief besonders in den Ostprovinzen den Gepflogenheiten zuwider, und die Gelehrten, gewohnt, im Zweifelsfalle die striktere Auslegung des Gesetzes vorzuziehen, ließen den sar [Anm.: (offenbartes) Gesetz] streng auf dem Ausschluss der Frau von jeder Tätigkeit bestehen, die danach angetan war, die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf sie zu lenken. Weibliche Heilige, weibliche Prediger, weibliche Gelehrte treten auf und finden weitherzige Anerkennung; es ist aber nicht zu verkennen, dass der durchschnittliche Muslim es lieber sah, wenn die weiblichen Mitglieder seiner Familie sich im Hause hielten, als wenn sie durch ungewöhnliche Leistungen berühmt wurden.
Muhammad gewährte der Frau freie Verfügung über ihr Eigentum und verbesserte ihre erbrechtliche Stellung. Doch ließ er die allgemeine Einstellung bestehen, die der Frau in der Wertschätzung der Gesellschaft einen untergeordneten Rang anwies.  "Die Männer sind über die Frauen gesetzt um dessentwillen, was Gott den einen mehr als den anderen an Vorzügen geschenkt hat, und wegen des Besitzes, den sie ausgelegt haben (als Brautschatz); rechtschaffene Frauen sind darum fügsam und hüten das Verborgene als Entgelt dafür, dass Allah sie hütet; diejenigen aber, von denen ihr Widerspenstigkeit fürchtet, ermahnt, vermeidet im Bett und schlagt; wenn sie euch dann gehorchen, so unternehmt keine (weiteren) Schritte gegen sie; wahrlich, Allah ist erhaben und groß." [Anm.: vgl. Koran, 4:34]
An dem Axiom von der natürlichen Überlegenheit des männlichen Geschlechts, das seine gesetzlichen und gesellschaftlichen Vorrechte begründen muss, wird in muslimischen Ländern auch heute noch festgehalten, wo man "übermäßige" Freiheit für die Frau mit Besorgnis sieht und wo der igma [Anm.: Konsens] nur ganz allmählich äußere Angleichung an den europäischen Gebrauch billigt, dabei aber die Grundhaltungen mehr oder minder bestehen lässt, welche die Beziehungen der Geschlechter im allgemeinen und die öffentliche Stellung der Frau im besonderen bestimmen.
Der Koran gestattet die Polygamie, beschränkt sie aber auf gleichzeitiges Ehebündnis mit vier dem Mann gesetzlich verheirateten Frauen. Die Anzahl der dem Mann zusätzlich gestatteten unfreien Konkubinen ist vom kanonischen Recht nicht limitiert. Scheidung ist für den Mann leicht, für die Frau beinahe unerreichbar. Der Mann ist nicht gehalten, Gründe für die Entlassung der Frau anzugeben, muss jedoch im allgemeinen von der Frau in die Ehe eingebrachtes Vermögen ihr bzw. ihrer Familie zurückstellen.
Die Ausschaltung der Frau aus dem öffentlichen wie aus dem gesellschaftlichen Leben - die freie Frau darf unverschleiert nur von ihrem Mann und den Verwandten, mit denen das Gesetz die Ehe untersagt, erblickt werden - war zur Zeit Harun ar-Rashids [Anm.: Kalif von 786 - 809] abgeschlossen. Sie mochte im persönlichen Verkehr die Überschreitung der Grenzen zwischen den Klassen erleichtern, ließ aber im ganzen das gesellschaftliche Leben verarmen. Auch brachte sie eine Entwicklung mit sich, die antiker Sitte sehr nahe kam, indem der gebildete Mann seine geistigen Interessen und Freuden mit einer Klasse Frauen teilte, die zu denen seines Familienkreises in keinerlei Beziehung standen.
Anmerkungen sind von mir.
Siehe auch: G.E. von Grunebaum: Der Dhimmi

Sonntag, 10. Januar 2010

Verstümmelung weiblicher Genitalien (Repost Februar 2007)

Der Bundestag befasste sich in seiner 79. Sitzung am 1. Februar löblicher Weise mit dem Problem der weiblichen Genitalverstümmelung. Immer wieder wird betont, dass diese barbarische Prozedur, die Millionen Frauen und Mädchen über sich ergehen lassen mussten, nichts mit dem Islam zu tun hat, obwohl ihre Verbreitung wie zufällig mit dem Herrschaftsbereich des Islam zusammenfällt. Auch die Rednerinnen im Bundestag wurden nicht müde zu erklären, dass ranghohe muslimische Geistliche in einer gemeinsamen Erklärung in Kairo festgestellt hätten, dass die Genitalverstümmelung nicht mit dem Islam vereinbar sei usf. Da bin ich aber beruhigt!
Bedeutet das nun, dass es im Islam eine einheitlich ablehnende Haltung gegenüber weiblicher Beschneidung gibt? - Leider nein.
Werfen wir einen Blick auf die Homepage www.islam-qa.com, welche die wahabitisch-salafistische Form des Islam repräsentiert. Wahabismus ist gerade in Saudi-Arabien weithin verbreitet. Islam-QA ist ein Archiv islamischer Rechtsgutachten, aus dem sich die auf diesem Blog bereits thematisierte Internetpräsenz www.muslima.de.ms als wahabitischer Ableger in Deutschland munter bedient und sich gerade auch an deutsche Islam-Konvertitinnen richtet. Islam-QA erklärt zur Beschneidung:
Question:
Is female circumcision sunnah or a bad practice? I read in a magazine that female circumcision in any form is a bad practice that is harmful from a medical point of view, and that it may sometimes lead to sterility. Is this correct?

Answer:
Praise be to Allaah.
Circumcising females is sunnah; it is neither a bad practice or harmful, if it is done within moderation. When extreme forms of female circumcision are carried out, harm may result.

Fataawa al-Lajnah al-Daa?imah, 5/120
Direktlink
Für wahabitische "Gelehrte" ist im Bezug auf die Frau nur wichtig, dass der Mann die absolute Kontrolle über sie behält. Daher müssen sie Frauen die Rechte und Freiheiten vorenthalten, die für Männer absolut selbstverständlich sind, wie etwa eine selbstbestimmte und lustvolle Sexualität dank intakter Genitalien.
Schade, dass das keine einzige der Rednerinnen vom 1. Februar wusste. Natürlich spottet die Realität der oft gehörten, immer wieder geglaubten Behauptung, die Verstümmelung des weiblichen Genitals habe nichts mit dem Islam zu tun:
"Von den vier sunnitischen Rechtsschulen (Maddhab) befürworten zwei die Genitalbeschneidung an Frauen (Malikiten und Hanbaliten); die Schafiiten halten sie sogar für eine religiöse Pflicht. In Ländern mit schafiitischer Rechtsschule ist sie deshalb auch allgemein verbreitet. Die Hanafiten lehnen die Beschneidung von Frauen ab." (Quelle: Wikipedia)
Aber das Mantra der Islamversteher erschallt ganz undifferenziert, wenn es an heikle und unangenehme Themen geht, die Kritik am Islam evozieren könnten.
Auszüge aus dem Plenarprotokoll:

Irmingard Schewe-Gerigk, Bündnis 90/Die Grünen:
„Ich denke, darin ist sich der gesamte Bundestag heute einig: Die Zeiten, in denen Menschenrechtsverletzungen an Frauen als Ausdruck einer bestimmten Kultur oder Religion von unserer Gesellschaft, ja auch von vielen in diesem Hause für hinnehmbar gehalten wurden, sind ein für alle Mal vorbei.

(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU, der SPD und der FDP)

Übrigens hat auch eine angesehene islamische Instanz, der Großmufti von al-Azhar, weibliche Genitalverstümmelung kürzlich zu einem strafbaren Verbrechen erklärt, das gegen die höchsten Werte des Islam verstößt. So viel zur Religion.
Michaela Noll, CDU/CSU:
„Diese Art der Verstümmelung ist durch nichts zu rechtfertigen, weder durch kulturelle noch durch religiöse Gründe. Es gibt keine Religion, die sie vorschreibt.
„Ich bin natürlich froh, dass in Kairo mittlerweile diese Sitzung stattgefunden hat. Es kann sein, dass das, was die islamischen Gelehrten gesagt haben, eine Signalwirkung hat. Diese Botschaft muss aber erst einmal in 28 Ländern auch verbreitet werden. Erst dann haben wir wirklich einen Anfang gemacht. Wir müssen die Menschen vor Ort aber auch in die Lage versetzen, Traditionen und Normen kritisch zu analysieren und zu hinterfragen. Solange in den Dörfern Prediger aufstehen und das, was sie sagen, mangels Bildung unkritisch geglaubt wird, weil man es nicht besser weiß, können wir meiner Meinung nach auf internationaler Ebene zwar alles versuchen, aber wir werden scheitern.“
Dr. Kirsten Tackmann, DIE LINKE :
„Auch in Europa - das ist schon erwähnt worden - müssen wir uns mit Genitalverstümmelungen auseinandersetzen. Circa 30 000 Mädchen und Frauen sind davon bedroht oder wurden bereits dadurch verletzt. Selbst in Deutschland werden vermutlich Genitalverstümmelungen vorgenommen. Über die Beteiligung von hier niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten wissen wir viel zu wenig. Über die Rolle dieser Gruppe sind schon Ausführungen gemacht worden, denen ich mich gerne anschließen möchte.

Erfreulicherweise wächst der Widerstand weltweit, er wird auch immer wirkungsvoller. Auf die Konferenz in Kairo ist bereits hingewiesen worden. Von höchsten Rechtsgelehrten und Religionsführern aus islamisch geprägten Staaten Afrikas ist dort festgestellt worden, dass man den Koran zur Begründung von Genitalverstümmelungen nicht heranziehen kann. Einstimmig wurde von der Konferenz bestätigt, dass die weibliche Genitalverstümmelung mit dem Islam unvereinbar ist. Auf dieser Grundlage ist es nun endlich möglich, gegen diese religiösen Rechtfertigungsversuche vorzugehen.“
Sibylle Pfeifer, CDU/CSU:
„Einige Länder haben die Menschenrechtscharta unterschrieben; etliche sind im Menschenrechtsrat vertreten. Viele Länder in Afrika haben Gesetze erlassen. Aber Papier ist geduldig; das wissen wir.

Ich hoffe, dass das Papier, das im November von den islamischen Gelehrten verabschiedet worden ist, nicht genauso geduldig ist. Es kommt einer Fatwa gleich; das heißt, es ist ein Gesetz. Aber wie gesagt: Gesetze hin, Gesetze her; Papier ist geduldig.“
Renate Gradistanac, SPD:
„Wir begrüßen, dass die Bundesärztekammer eine Empfehlung für Ärztinnen und Ärzte herausgegeben hat; denn diesen mangelt es oft an Erfahrungen mit beschnittenen Patientinnen. In Kairo hat zudem eine Konferenz stattgefunden, auf der sich die Islamgelehrten darauf verständigt haben, die Beschneidung bzw. die Verstümmelung von Frauen zu ächten. Wenn wir das heute mehrmals betonen, dann - so hoffe ich - hat das eine Wellenwirkung.“
Stellt man den fortgeschrittenen Realitätsverlust in Rechnung, der aus diesen Zeilen spricht, dann sieht es im Kampf gegen Genitalverstümmelung eher düster aus.

P.S.: Meines Wissens befindet sich obige fatwa bislang noch nicht als deutsche Übersetzung auf www.muslima.de.ms. Das liegt vermutlich daran, dass einigen der dummen Gänse dort vielleicht doch noch ein Licht aufgehen würde, wenn sie davon hörten.

Mittwoch, 6. Januar 2010

Attentat auf Westergaard - eine Nachlese


Die Reaktionen auf Fälle wie den gerade noch vereitelten Mordanschlag auf den Zeichner Kurt Westergaard („Mohammed-Karikaturen“) werfen ein Schlaglicht darauf, wie es in den Oberstübchen der Vertreter der schreibenden Zunft zwischen Amrum und Allgäu aussieht – nämlich katastrophal. Was in überregionalen Zeitungen wie der SZ oder ZEIT bundesweit verbreitet wird, setzt sich bis auf die Ebene kleinster Provinzblätter fort. Es ist immer die gleiche Soße: Westergaard habe seine bekannteste Zeichnung, die eines bärtigen Mohammed mit Bombe im Turban, die Lunte brennt bereits, in Jyllands Posten, einer „betont islamkritischen“, „rechtsliberalen“ oder gar „rechtspopulistischen“ Zeitung veröffentlicht. - Ach so! Ja, ja! Dann ist es ja kein Wunder, dass irgendwann ein axtschwingender Irrer vor der Haustür steht! Dass das Attentat auf Westergaard nur das vorläufig letzte Kapitel in einer globalen Welle der Gewalt ist, der seit der Veröffentlichung der sogenannten „Mohammed-Karikaturen“ in Jyllands Posten bislang etwa 100 Menschen zum Opfer gefallen sind, wird in solchen Darstellungen geflissentlich unterschlagen. Denn der Zusammenhang würde die von exponierten Islamfunktionären und ihren Verbänden auch diesmal wieder gebetsmühlenhaft geäußerte Floskel „das hat nichts mit dem Islam zu tun“ augenblicklich ad absurdum führen.
Dieser Zusammenhang besteht nicht nur zwischen dem jüngsten Anschlag und den Gewaltexzessen, welche die deutsche Presse ebenso verharmlosend wie verfälschend „Karikaturenstreit“ genannt hat und die schon an sich in Planung und Durchführung schwerlich das Werk von „Einzeltätern“ sein konnten. Bei diesen Tätern handelte es sich auch nicht um Buddhisten, Angehörige der Heilsarmee oder Außerirdische, sondern um – Muslime. Es besteht ebenso ein Zusammenhang mit der Hamas, dem Ayatollah-Regime in Iran, Al Kaida, der Muslimbruderschaft in Ägypten, tschetschenischen und uigurischen Extremisten, dem Islamismus der Türkei und den islamischen Fanatikern, die noch im fernsten Osten die Ureinwohner drangsalieren. Diese Phänomene sind keine Randerscheinungen, sondern veritable Massenbewegungen; bei aller Heterogenität gibt es einen Kitt, der sie alle eint: den Islam.
Es gibt eine wesentliche Gemeinsamkeit und einen wesentlichen Unterschied zwischen dem „Fall Westergaard“ und dem „Fall Rushdie“. Salman Rushdie hatte sich vor mehr als 20 Jahren wegen einer Passage in einem Roman eine fatwa des Schiiten Khomeini eingehandelt, der zugleich ein Kopfgeld auf den Schriftsteller aussetzte. Bis heute schweben sowohl Rushdie selbst als auch seine Übersetzer und Verleger in latenter Gefahr. Die Gemeinsamkeit besteht nun in dem breiten Echo, das beide „Skandale“ in der gesamten islamischen Welt auslösten. Das Skandalon, den Islam, Mohammed und Allah selbst „angegriffen“ zu haben, verlieh der extremistischen Propaganda eine Wirkmächtigkeit, die weit über die Grenzen Dänemarks und Irans hinausging und sogar die Schranken islamischer „Vielfalt“, der unterschiedlichen und miteinander konkurrierenden Schulen und Richtungen, mühelos überwinden konnte. Im Falle der „Mohammed-Karikaturen“ verbrannte ein verhetzter Mob in Afrika, Nah- und Mittelost Botschaften, Kirchen und Ungläubige, während die Vertreter der europäischen Islam-Diaspora die Europäer ob ihrer „Islamophobie“ tadelten und mehr Respekt vor „religiösen Gefühlen“ forderten. Hier besteht insofern eine verblüffende Parallele zur fatwa gegen Rushdie, als sich keine einzige islamische Autorität von Rang befleißigte, Rushdie in Schutz zu nehmen – und zwar nicht in erster Linie als Muslim, sondern als Mensch, der sein natürliches Recht auf freie Meinungsäußerung in Anspruch nimmt. Im Gegenteil – die Reaktionen auf die fatwa von „liberalen“ Muslimen von Cat Stevens alias Yussuf Islam bis zu den Ahmadis pendeln zwischen Verständnis und offener Unterstützung, unterscheiden sich nur graduell, nicht aber substanziell vom theologisch grundierten Richterspruch des Ayatollah.
Der große Unterschied zwischen beiden Fällen liegt freilich in der jeweiligen Perzeption durch die Öffentlichkeit, insbesondere der Presse. Niemand verkörpert den Wandel, der sich in den letzten 20 Jahren vollzogen hat, besser als Schriftsteller Günter Grass. Während Grass damals noch zu denjenigen gehörte, die sich persönlich dafür einsetzten, dass das verfemte Werk und der verfolgte Autor die gebührende Aufmerksamkeit erhielten, bezeichnete er die Gewaltwelle auf die „Mohammed-Karikaturen“ als „fundamentalistische Reaktion“ auf eine „fundamentalistische Tat“, womit er nicht nur Ursache und Wirkung vertauschte, sondern sich im Tenor im völligen Einklang mit der islamischen Seite befand, die über die „Organisation der islamischen Konferenz“ (OIC) und ihren Generalsekretär Ihsanoglu verlauten ließ, die „Mohammed-Karikaturen“ hätten die „islamische Welt“ ebenso tief getroffen wie der 11. September den Westen. Folgerichtig blieb die Solidarität mit Jyllands Posten aus, die bei Salman Rushdie noch überall zu spüren war. Bis heute hat kaum eine handvoll deutscher Zeitungen die Karikaturen je abgedruckt, auch wenn die FAZ in ihrem jüngsten Kommentar genau das Gegenteil vorlügt. Ginge es heute darum, zwischen der Freiheit der Meinung, der Presse, der Kunst und dem Schutz „religiöser Gefühle“ abzuwägen, hätten die notorisch beleidigten Anhänger des Islam die Nase vorn. Denn durch die Bank fällt der milde Spott auf, mit dem die Kommentatoren Westergaards Haltung bedenken, er stehe für Meinungsfreiheit und westliche Werte ein. Insofern war das Attentat auf Westergaard durchaus erfolgreich, auch wenn sich sein Opfer im letzten Augenblick retten konnte. „Bestrafe einen, erziehe hundert“ wusste bereits Mao.

Hagen Rether - für Masochisten (Repost 7.1.2009)

Hagen Rether hat wieder zugeschlagen! Und war so schlimm wie eh und je. Rether darf seit vier Jahren in der großen „Scheibenwischer“-Gala volkspädagogische Reden halten, die das besinnliche Gegenstück zum „Pointenfeuerwerk“ von Bruno Jonas und Matthias Richling darstellen sollen. Mit „Musikkabarett vom Feinsten“ hat das von Jahr zu Jahr weniger zu tun. Seit Rether sämtliche wichtigen Kleinkunstpreise einkassiert, wird der edle Flügel immer mehr zur Staffage degradiert. Rethers Vorträge sind traditionell so verpeilt, dass es fast schon wieder sehenswert ist, denn es gehört schon ein gewisses Talent dazu, wirklich kein verbales Fettnäpfchen auszulassen und nicht das kleinste Faktum korrekt darzustellen – auch Dilettantismus will gelernt sein.
Der Kabarettist mit dem Pferdeschwanz bedient geradezu obsessiv immer die gleichen Ressentiments: USA – Israel - Bush – Merkel – Vatikan. Das sind seine 5 Säulen auf dem granitenen Fundament seiner eigenen Vorurteile. Zwangsläufiges Resultat ist ein extrem einseitiges Denkvermögen: der Islam als politischer Akteur ist für ihn gar nicht existent, die Muslime höchstens als passiv und leidend. Im Jahre 2007 blamierte sich Rether, als er den Publizisten Ralph Giordano und Henryk M. Broder den Kopf waschen wollte und damit nur demonstrierte, dass er ihre mehr oder weniger islamkritischen Schriften dem Inhalt nach offenbar gar nicht zur Kenntnis genommen hatte. Jetzt behauptet er, George W. Bush habe 1.000.000 irakische Zivilisten auf dem Gewissen, eine Zahl die nirgendwo glaubwürdig belegt ist und im Verhältnis zur irakischen Gesamtbevölkerung selbst einen gestandenen Völkermörder wie Pol Pot aufhorchen lassen würde. Wie mickerig ist da doch der Blutzoll des 11. September, was Rether freilich gleich notiert. Von Bali und Beslan, Madrid und London, Bombay etc. spricht er nicht.
Rethers schlechte, radikalpazifistische und antihumanistische Kabarett-Kollegen verbreiten freilich ähnlichen Unsinn. Einzigartig und unerreicht ist nur, in welcher Dichte er ihn in seinen Reden verarbeitet. Keine Nation auf dieser Erde, egal ob groß oder klein, hat eine blütenweiße Weste. Als Antiamerikaner stellt Rether die USA jedoch in eine No-Win-Situation. Er verurteilt die USA für ihre ehemalige Unterstützung des Hussein-Regimes, unabhängig davon, was damals die Motive für dieses Vorgehen waren. Doch ebenso verurteilt er die USA, weil sie Saddams Herrschaft schließlich beendet haben – und verschweigt, dass Saddam selbst ein hieb- und stichfestes Motiv lieferte, das die Invasion der Amerikaner und ihrer Verbündeten moralisch vollkommen legitimierte: die Kriege, in denen Saddam sein eigenes Volk verheizte, die Völkermorde und die Massaker an politischen Gegnern, die Saddam selbst zur gefährlichsten Massenvernichtungswaffe des Nahen Ostens machten und seine Opferbilanz ohne weiteres in die Dimensionen vordringen lässt, in denen Rether die USA sehen möchte. – Aber nein, Bush hat den Irak wegen dem Öl überfallen. Wie wir alle wissen, beträgt der Benzinpreis in den USA seitdem auch nur noch 5 Cent pro Gallone.
Weil Antiamerikanismus und Antisemitismus nicht erst seit gestern in enger Verbindung stehen ist eines nicht erstaunlich, nämlich Rethers enervierende Angewohnheit, mit antisemitischen Klischees zu kokettieren - in im Plauderton hingesagten Halb- und Nebensätzen, wo sie kaum einem Zuhörer ins Bewusstsein dringen. Und was, ja was wäre gewesen, wenn am 11. September nicht Moslems, sondern Katholiken in die Twin Towers gerast wären? Oder am 12. September oder am 13. oder…
Und so klatscht und klatscht das mit GEZ-Gebühren freiwillig bis zur Grenzdebilität verblödete Publikum über jeden stinkenden Knochen, den ihm Rether hinwirft, während der sich immer weiter um seine kleine Welt dreht.

Donnerstag, 31. Dezember 2009

Benedikt XVI. über die kritische Methode in der Theologie

Ich bin kein Christ. Ich bin noch nicht mal gläubig. Mir stößt jedoch immer wieder auf, wie der Zeitgeist versucht, alle Kulturen einzuebnen, zu umarmen, ganz gleich, wie groß die Unterschiede auch sein mögen. Schließlich ist alles „irgendwie dasselbe“, nicht wahr? Dies trifft auch und gerade auf die Religionen und den islamisch geprägten interreligiösen „Dialog“ zu, der kein Dialog ist, weil die Verschiedenartigkeit der Teilnehmer tunlichst ausgeklammert wird, also keine wahre Toleranz entwickelt, Konfliktpotential abgebaut und erst recht keine reformerischen Impulse gegeben werden können.

Man kann schon darauf zählen, dass auf fundierte Kritik am Islam postwendend die Forderung nach Kritik am Christentum erhoben wird (als ob das Christentum und die Kirchen nicht jederzeit kritisiert werden dürfen und auch kritisiert werden), nur um einem geradezu neurotischen Zwang nachzugeben und die Äquidistanz zu den beiden Weltreligionen wieder herzustellen.

Dreh- und Angelpunkt sind dabei immer wieder die „Heiligen Schriften“ von Christentum und Islam. Hinweise auf fragwürdige Koranpassagen werden mit Erinnerungen an alttestamentarische Vorschriften und Gewalttraditionen quittiert, im Neuen Testament muss der „Schwertvers“ und die Vertreibung der Geldwechsler aus dem Tempel herhalten, um die Verkünderpraxis Jesu und Mohammeds zu relativieren. Noch ehe man das Augenmerk auf den Charakter von AT/NT und Koran richtet ist festzustellen, dass die gewünschte inhaltliche Kongruenz selbst unter größten Anstrengungen nicht herzustellen ist.


Doch selbstverständlich ist auch der qualitative Unterschied zwischen den biblischen Schriften, die vom Geiste Gottes inspiriert, aber von fehlbaren Sterblichen aufgezeichnet wurden, und einem Buch wie dem Koran, der als „unerschaffen“ gilt, also aus der Zeit vor der Zeit datiert und folglich Allahs Wort selbst enthält, nicht zu übersehen. Wenn es christlicherseits überhaupt ein Pendant zum Koran gibt, dann ist das Jesus – während sich Allah freilich nicht in die Niederungen der Sterblichkeit hinablässt.


Hieraus wird ersichtlich, weshalb die islamische Geistlichkeit bis heute nicht bereit ist, den Koran seines Inhalts und seiner Genese nach einer kritischen Untersuchung auszusetzen. Es ist nun auch klar, warum der „Koordinationsrat der Muslime“ in Deutschland durch seinen Sprecher Ali Kizilkaya einen Prof. Muhammad Kalisch, der die These vertritt, dass Gott keine Bücher schreibt und der Islamkundelehrer ausbilden möchte, mit den Worten abkanzelt: „Die historisch-kritische Methode lehnen wir ab!“ Es scheint, als sei mit dem Koran und dem „Siegel der Propheten“ Mohammed auch die Forschung endgültig versiegelt.

Anders im Christentum. Der Charakter der biblischen Schriften und des Wirkens Jesu Christi gestattet dem Christen eine ganz andere Herangehensweise an die Quellen seines Glaubens. Die heutige katholische Theologie gestattet die kritische Methode nicht nur, sondern bezieht sie ausdrücklich in ihre Forschung ein, wie Benedikt XVI. im Vorwort seines lesenswerten Buches „Jesus von Nazareth“ ausführt:


[Es] gilt zunächst, dass die historische Methode - gerade vom inneren Wesen der Theologie und des Glaubens her – eine unverzichtbare Dimension der exegetischen Arbeit ist und bleibt. Denn für den biblischen Glauben ist es wesentlich, dass er sich auf wirklich historisches Geschehen bezieht. Er erzählt nicht Geschichte als Symbole über geschichtliche Wahrheiten, sondern er gründet auf Geschichte, die sich auf dem Boden dieser Erde zugetragen hat. Das Factum historicum ist für ihn nicht eine auswechselbare historische Chiffre, sondern konstitutiver Grund: Et incarnatus est – mit diesem Wort bekennen wir uns zu dem tatsächlichen hereintreten Gottes in die reale Geschichte.
Wenn wir diese Geschichte wegschieben, wird der christliche Glaube als solcher aufgehoben und in eine andere Religionsform umgeschmolzen. Wenn also Geschichte, Faktizität in diesem Sinn, wesentlich zum christlichen Glauben gehört, dann muss er sich der historischen Methode aussetzen – der Glaube selbst verlangt das. (…)
Die historisch- kritische Methode – wiederholen wir es – bleibt von der Struktur des christlichen Glaubens her unverzichtbar. Aber zweierlei müssen wir hinzufügen: Sie ist eine der grundlegenden Dimensionen der Auslegung, aber sie schöpft den Auftrag der Auslegung für den nicht aus, der in den biblischen Schriften die eine Heilige Schrift sieht und sie als von Gott inspiriert glaubt.
(Ratzinger, Jesus von Nazareth, S. 14-15, Freiburg i. Breisgau 2007)
Hingegen lassen die im Islam herrschenden dogmatischen Zwänge eine umfangreiche, fortgesetzte Revision der islamischen Geschichte als den einzig widerstandslos gangbaren Weg erscheinen, dem Islam zumindest äußerlich den Anschein von Reformierbarkeit und Offenheit zu verleihen. Alles, was nicht durch die Formel „Islam ist Frieden“ abgedeckt wird, sich aber dennoch islamisch nennt, wird somit nicht kritisiert, sondern gewohnheitsmäßig ignoriert.

Dienstag, 29. Dezember 2009

Integrationsbremse Islam




Das größte Hindernis für die Integration einer muslimisch sozialisierten Minderheit in eine westliche Demokratie und pluralistische Gesellschaft liegt nicht in mangelnder Akzeptanz seitens der autochthonen "Mehrheitsgesellschaft" und auch nicht an "patriarchalischen" Sitten und Gebräuchen der Migranten, die aber "nichts mit dem Islam zu tun" haben (Tenor der Islamverbände) - sondern es ist der Islam selbst, der eine Integration genaugenommen verbietet und Parallelgesellschaften fordert.
Diese Tatsache lässt sich nicht durch Totschlagargumente "Islamophobie", "Stammtisch" und "Rechtsextremismus" unkenntlich machen. Sie verweist auf Grundfragen der Integration, die im bisherigen "Dialog" der Kulturen noch gar nicht gestellt wurden - weshalb Kenner der Materie längst eher von "DiaLÜG" sprechen.
Muhammad Ahmad Rassoul hat eine vielbeachtete Koranübersetzung vorgelegt und gilt als ausgewiesener Kenner der Sunna, also der islamischen Offenbarung und Überlieferung, die das hochkomplexe, strikte Regelwerk des muslimischen Lebens konstituiert. Seine Schrift "Die Brüderlichkeit im Islam" behandelt dementsprechend das Sozialverhalten der Muslime untereinander, wie es Mohammed empfohlen und Allah befohlen hat. Da sich der Autor als gläubiger Muslim an den Wortlaut von Koran und Hadith hält, rückt zwangsläufig auch das Verhältnis der Muslime zu den Ungläubigen ins Blickfeld.
In den ersten Abschnitten führt Rassoul aus, dass die Bindung unter den Gläubigen die stärkste Bindung im Islam sei:

Der Islam kennt drei Arten von Bindungen (Silat):
1. Die Bindung durch Blut, die Blutsverwandtschaft (Silatu-1-qurba).
2. Die Bindung durch Heirat (Silatu-1-Musahara), die einen starken Zusammenhalt innerhalb einer oder zwischen mehreren Familien bewirkt.
3. Die Bindung durch den Glauben (Silatu-1- 'Aqida), die im Islam eine echte Brüderlichkeit darstellt. Diese Art von Bindung des Geistes und der Seele im Islam liegt in ihrem Wert höher als die leibliche Bindung. Sie wird deshalb als die echte Verwandtschaft angesehen.

Islamwissenschaftler und Orientalisten bezeichnen die umma, die Gemeinschaft der Gläubigen, gelegentlich auch als Meta-Clan oder Meta-Stamm, eine Deutung, die vor dieser Idealdarstellung der Bindung unter den Muslimen durchaus berechtigt wirkt, wobei uns scheint, dass der Weg zur Meta-Sekte nicht allzu weit ist. Folgerichtig löst der Abfall vom Islam die Blutsverwandtschaft auf, was in befleckter Familienehre und Verstoßung des Apostaten mündet.

Die Bindung durch Brüderlichkeit im Islam wird somit zum Fundament der islamischen Gemeinschaft schlechthin und verlangt gleichzeitig nach Abgrenzung, "Schutz", nach außen. Daraus resultiert die prinzipielle Gleichheit der Gläubigen sowie die prinzipielle Ungleichheit der Ungläubigen.

Wenn man im Islam von Brüderlichkeit spricht, meint man damit die Brüderlichkeit unter allen Individuen der islamischen Gemeinschaft, unter Männern, Frauen und Kindern. Wenn der Heilige Qur'an in Sura 48, Vers 29 sagt:
Muhammad ist der Gesandte Allahs. Und die, die mit ihm sind, sind hart gegen die Ungläubigen, doch barmherzig zueinander. Du siehst sie sich (im Gebet) beugen, niederwerfen (und) Allahs Huld und Wohlgefallen erstreben...", so spricht der Qur'an die Gesamtheit der Muslime an, ohne Unterscheidung des Geschlechts, des Alters und der Rasse.

Nach innen folgt daraus Gleichschaltung:

Vers 10 aus Sura 49:
"0 ihr, die ihr glaubt! Lasst nicht eine Schar über die andere spotten, vielleicht sind diese besser als jene; noch (lasset) Frauen über (andere) Frauen (spotten), vielleicht sind diese besser als jene. Und verleumdet einander nicht und gebt einander keine Schimpfnamen. Schlimm ist die Bezeichnung der Sündhaftigkeit, nachdem man den Glauben (angenommen) hat, und jene die nicht umkehren - das sind die Ungerechten."
Ferner Vers 10 aus Sura 49:
"Die Gläubigen sind ja Brüder. So stiftet Frieden zwischen euren Brüdern und fürchtet Allah, auf dass euch Barmherzigkeit erwiesen werde."
Ein Pendant zur Goldenen Regel ist sowohl im Koran als auch Hadith unbekannt. Die (verordnete) Harmonie erstreckt sich allein auf Muslime untereinander. Die religiöse Pflichtabgabe, zakat, die für gewöhnlich zwischen 2,5 und 10% des Einkommens beträgt, kommt allein muslimischen Zwecken zugute. Das freiwillige Almosen ist religiös nicht bindend.

Rassoul stimmt mit der Einschätzung des kritischen Islamwissenschaftlers Ralph Ghadban überein, dass der Islam keine Ethik kennt:

Alles Lob gebührt Allah, dass Er das brüderliche Verhalten im Islam nicht unserem Gutdünken und unserem ethischen Empfinden überlässt, sondern dass Er das Verhalten genau festgelegt hat.

Streng nach Wortlaut von Koran und Hadith arbeitet der Autor Gebote und Verbote für die gelebte Brüderlichkeit im Islam heraus. Das 1. Verbot lautet:
1. Du sollst keinen, der nicht dein Bruder im Islam ist, zum Freund nehmen. Dieses Verbot ergibt sich u.a. aus Vers 28 der 3. Sura, der lautet:
"Die Gläubigen sollen die Ungläubigen nicht statt der Gläubigen zu Beschützern nehmen; und wer solches tut, der findet von Allah in nichts Hilfe."
Für Rassoul steht die Priorität dieses Verbots offenbar so unerschütterlich fest, dass er es als überflüssig erachtet gesondert zu erwähnen, dass sich diese Aufforderung Allahs in nahezu identischem Wortlaut mehrfach im Koran findet, etwa auch in Sure 4 und 5. Die Reinheit der umma ist Voraussetzung für die reibungslose Umsetzung von Allahs ewigem Gesetz. Das bleibt nicht ohne Konsequenzen für die Ungläubigen:
Sura 48, Vers 29:
"Muhammad ist der Gesandte Allahs. Und die, die mit ihm sind, sind hart gegen die Ungläubigen, doch barmherzig zueinander. Du siehst sie sich (im Gebet) beugen, niederwerfen (und) Allahs Huld und Wohlgefallen erstreben. Ihre Merkmale befinden sich auf ihren Gesichtern: die Spuren der Niederwerfungen. Das ist ihre Beschreibung in der Thora. Und ihre Beschreibung im Evangelium lautet: (Sie sind) gleich dem ausgesäten Samenkorn, das seinen Schössling treibt, ihn dann stark werden lässt, dann wird er dick und steht fest auf seinem Halm, zur Freude derer, die die Saat ausgestreut haben - auf dass Er die Ungläubigen bei ihrem (Anblick) in Wut entbrennen lasse. Allah hat denjenigen, die glauben und gute Werke tun, Vergebung und einen gewaltigen Lohn verheißen."
Sura 9, Vers 71:
"Und die gläubigen Männer und die gläubigen Frauen sind einer des anderen Beschützer: Sie gebieten das Gute und verbieten das Böse und verrichten das Gebet und entrichten die Zakah [zakat] und gehorchen Allah und Seinem Gesandten. Sie sind es, derer Allah Sich erbarmen wird. Wahrlich, Allah ist Erhaben, Allweise,"
Sura 4, Vers 93:
"Und wer einen Gläubigen vorsätzlich tötet, dessen Lohn ist Gahannam, worin er auf ewig bleibt. Allah wird ihm zürnen und ihn von Sich weisen und ihm eine schwere Strafe bereiten."
Und weiter:
Femer in Sura 2, Vers 221: "Und heiratet keine Götzenanbeterinnen, ehe sie glauben. Und eine gläubige Dienerin ist besser als eine Götzenanbeterin, mag sie euch auch noch so gut gefallen. Und verheiratet nicht (gläubige Frauen) mit Götzenanbetern, ehe sie glauben. Und ein gläubiger Diener ist besser als ein Götzenanbeter, mag er euch auch noch so gut gefallen. Jene rufen zum Feuer, doch Allah ruft zum Paradies und zur Verzeihung mit Seiner Erlaubnis und macht den Menschen Seine Zeichen klar, damit sie Seiner gedenken mögen."
Der Wortlaut des Koran impliziert bereits, dass es dem frommen Muslim aufgetragen ist, es nicht nur bei der Etablierung einer Parallelgesellschaft bewenden zu lassen, sondern aktiv an der Überwindung des Unglaubens mitzuarbeiten. Jegliche Einmischung von außen wird daher nicht als Kritik, sondern als Angriff, Beleidigung oder Provokation gewertet, wie etwa die von Islamverbänden und Mullahs "spontan" inszenierten Massenproteste und Ausschreitungen während des "Karikaturenstreits" zeigen. Denn "Muhammad ist der Gesandte Allahs. Und die, die mit ihm sind, sind hart gegen die Ungläubigen, doch barmherzig zueinander." Es ist davon auszugehen, dass die Verbände ganz im Sinne des frommen Muhammad Ahmad Rassoul handeln, wenn er in seinem Schlußwort schreibt:
Wie nötig haben es die Menschen heutzutage mehr als je zuvor, in der echten islamischen Brüderlichkeit zu leben! Der Beginn für eine neue Gesellschaft ist die Brüderlichkeit. Hier liegt der Kern einer gesunden Gesellschaftsordnung. Hier liegt die Ausstrahlung der Barmherzigkeit und der Gnade.
Die islamische Brüderlichkeit ist ein nachahmenswertes Vorbild für die gesamte Menschheit, und das ist der Grund, warum sich der Islam überall ausbreitet und ohne groß angelegte, organisierte Missionierung und ohne militärische Eroberung auch im heutigen Europa Fuß fasst.


Donnerstag, 24. Dezember 2009

Kommissarische Reichsregierung(en) (KRR)

Vor einigen Jahren stieß ich bei Recherchen für ein längeres Essay auf eine der skurrilsten Erscheinungen die mir bisher im Internet über den Weg liefen. Mein erster Gedanke war, dass es sich um ein Projekt des deutschen Satiremagazins "Titanic" ("Die Partei") handeln müsse, ein Gefühl, das mich noch heute manchmal beschleicht, wenn ich dem Treiben der "Kommissarischen Reichsregierung/en" zusehe.
Sie haben noch nie von einer "Kommissarischen Reichsregierung" gehört? Studieren Sie den Lokalteil Ihrer Tageszeitung, mit etwas Glück werden Sie dort fündig. Denn seit einigen Jahren stellen gleich mehrere "Reichsregierungen" und eine inzwischen recht aktive "Exilregierung des Deutschen Reiches" eigene Führerscheine und Personalausweise aus. Deren Inhaber bezeichnen sich als Bürger des "Deutschen Reiches" und der Bundesrepublik Deutschland als "exterritorial" gegenüberstehend. Die Gerichtsbarkeit der "de jure erloschenen" BRD erkennen sie nicht an. Wie kommen die Herrschaften darauf?
Die Geschichte der Reichsregierungen nimmt ihren Anfang Mitte der 80er Jahre bei Wolfgang Gerhard Günter Ebel, einem ehemaligen Reichsbahnangestellten, allerdings nicht der Bahn des Reiches, sondern der DDR. Im Jahre 1987 hatte Ebel den Geistesblitz, einen selbstverfassten Amtseid an die "Alliierte Kommandantur" in Berlin zu schicken, in dem er sich selbst zum "Generalbevollmächtigten für das Deutsche Reich" ernannte und mit der Bildung einer "kommissarischen Reichsregierung" beauftragte. Es fällt nicht schwer den Stimmen zu glauben die anführen, dass Ebel als schuldunfähig gilt, mit anderen Worten: er besitze einen "Jagdschein" (Volksmund) oder sei "Verrückt wie ein Pferd" (Polizeijargon).
Wie dem auch sei, einer größeren Öffentlichkeit wurde Ebels "Regierung" durch eine Sonderausgabe des Magazin 2000plus bekannt. In einem ausführlichen Interview konnte Ebel seine Thesen unhinterfragt verbreiten. Darauf hin schmiss der langjährige Chefredakteur des Magazin 2000plus, Michael Hesemann, seinen Job hin, während die Herausgeber, das Ehepaar Schlotterbeck, sich künftig als "Reichsminister" von Ebels Gnaden bezeichnen durften. Eine Hand wäscht die andere.
Im Wesentlichen machte die "Kommissarische Reichsregierung" (KRR) durch das Internet auf sich aufmerksam. Möglich machte das der "Pressesprecher" und "Ministerialdirektor" Uwe Bradler, der über gewisse Grundlagenkenntnisse in HTML und PowerPoint-Präsentationen verfügt. Fortan warb die Regierung neue Interessenten, also "Reichsbürger", über das Internet und regelte auch den Verkauf ihrer "Ausweise" über die Regierungshomepage. Bis heute ist der Ausweisverkauf für die KRR und ihre Nachfolgeorganisationen die wichtigste Einnahmequelle. Daher ist es nicht unwahrscheinlich, dass der Bruch der KRR im Jahre 2001 hinter den Kulissen auch wirtschaftliche Gründe hat. Jedenfalls feuerte Ebel den "Pressesprecher", wovon sich Bradler freilich nicht beeindrucken ließ und flugs eine neue Homepage und eine neue "Regierung" zusammenbastelte. Bis heute ist es offensichtlich Bradler - inzwischen bei der "Exilregierung des Deutschen Reiches" (ER) angelangt - der die Strippen innerhalb seiner Regierung zieht, obwohl seine offizielle Funktion nach wie vor lediglich die eines Pressesprechers ist. Bradlers rudimentäre Internetkenntnisse verschaffen ihm einen entscheidenden Kommunikationsvorteil gegenüber seinen Gegnern und Kollegen, während "Reichspräsidenten" und "Reichskanzler" mit der Technik eher auf Kriegsfuß stehen und sich daher nicht durchsetzen können.

Es gibt einige Hauptargumente auf die sich bisher alle aktiven und gewesenen "Reichsregierungen" in der einen oder anderen Form stützen. Von besonderer Bedeutung ist hierbei ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts aus dem Jahre 1973, das belegen soll, dass das Deutsche Reich noch Bestand hat und die Bundesrepublik kein legitimer deutscher Staat ist. Hier die entscheidende Passage im Text:
Das Grundgesetz - nicht nur eine These der Völkerrechtslehre und der Staatsrechtslehre! - geht davon aus, daß das Deutsche Reich den Zusammenbruch 1945 überdauert hat und weder mit der Kapitulation noch durch Ausübung fremder Staatsgewalt in Deutschland durch die alliierten Okkupationsmächte noch später untergegangen ist; das ergibt sich aus der Präambel, aus Art. 16, Art. 23, Art. 116 und Art. 146 GG. Das entspricht auch der ständigen Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts, an der der Senat festhält. Das Deutsche Reich existiert fort (BVerfGE 2, 266 [277]; 3, 288 [319 f.]; 5, 85 [126]; 6, 309 [336, 363]), besitzt nach wie vor Rechtsfähigkeit, ist allerdings als Gesamtstaat mangels Organisation, insbesondere mangels institutionalisierter Organe selbst nicht handlungsfähig. Im Grundgesetz ist auch die Auffassung vom gesamtdeutschen Staatsvolk und von der gesamtdeutschen Staatsgewalt "verankert" (BVerfGE 2, 266 [277]). Verantwortung für "Deutschland als Ganzes" tragen - auch - die vier Mächte (BVerfGE 1, 351 [362 f., 367]).

Mit der Errichtung der Bundesrepublik Deutschland wurde nicht ein neuer westdeutscher Staat gegründet, sondern ein Teil Deutschlands neu organisiert (vgl. Carlo Schmid in der 6. Sitzung des Parlamentarischen Rates - StenBer. S. 70). Die Bundesrepublik Deutschland ist also nicht "Rechtsnachfolger" des Deutschen Reiches, sondern als Staat identisch mit dem Staat "Deutsches Reich", - in bezug auf seine räumliche Ausdehnung allerdings "teilidentisch", so daß insoweit die Identität keine Ausschließlichkeit beansprucht. (Hervorhebungen von mir)
Wer lesen kann ist klar im Vorteil, sollte man meinen. Die "Reichsregierungen" jedoch verwenden dieses Zitat stets in einer verstümmelten Form - den letzten Halbsatz im zweiten Absatz nach "Rechtsnachfolger des Deutschen Reiches" werden Sie bei ihnen nicht finden. Dabei ist die Aussage des BVerfG klar: Die BRD kann nicht Rechtsnachfolger des Deutschen Reiches sein, da sie mit dem Deutschen Reich identisch ist. Die räumliche "Teilidentität" hat sich mit der Wiedervereinigung, dem Beitritt der DDR, erledigt. Kein einziger anerkannter Völkerrechtler bestreitet, dass die BRD seit 1990 als Subjekt vollumfänglich identisch mit dem Staat Deutsches Reich ist. Typisch für die "Reichsregierungen": Wenn sich ihre Quellen bei genauerem Studium als argumentatives Eigentor entpuppen werden sie solange verdreht und umgelogen bis sie ins eigene Weltbild passen.
Das Urteil des BVerfG nimmt für die "Reichsregierungen" gerade auch wegen der Feststellung, dass das Deutsche Reich "als Gesamtstaat mangels Organisation, insbesondere mangels institutionalisierter Organe selbst nicht handlungsfähig" ist einen so hohen Stellenwert ein. Durch die Bildung dieser Staatsorgane müsse das Deutsche Reich eben wieder handlungsfähig gemacht werden - also, Leute, bildet Regierungen!
Ein weiteres Schmankerl in der Reichs-Gerüchteküche ist die angebliche Streichung von Artikel 23 (alte Fassung) des Grundgesetzes durch den US-Außenminister James Baker (!) im Jahr 1990. Durch die Streichung dieses Artikels verliere das Grundgesetz seinen Geltungsbereich und somit sei die BRD de jure "erloschen". Seit 1990 seien die Bundesregierungen daher illegal an der Macht (Wahlen hin oder her), denn die "Politikerkaste" enthalte dem gemeinen Volk die sensationelle Nachricht vor, dass die BRD in Wahrheit gar nicht existiert. Was stand denn im Artikel 23?
Dieses Grundgesetz gilt zunächst im Gebiete der Länder Baden, Bayern, Bremen, Groß-Berlin, Hamburg, Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Schleswig-Holstein, Württemberg-Baden und Württemberg-Hohenzollern. In anderen Teilen Deutschlands ist es nach deren Beitritt in Kraft zu setzen.
Am Artikel 23 lässt sich die Fähigkeit der Reichsideologen Gesetzestexte gründlich misszuverstehen gut veranschaulichen. Zunächst fällt auf, dass im Wortlaut nirgends das Saarland und Baden-Württemberg erwähnt wird. Nach Reichslogik müsste das bedeuten, dass das Grundgesetz in diesen Bundesländern niemals gegolten hätte, nicht wahr? Aber ist die Annahme nicht reichlich absurd, dass mit dem Verschwinden von zwei Sätzen aus dem Grundgesetz auch die Bundesländer und die BRD - Simsalabim - als Staaten aufhören zu existieren? Und wo steht überhaupt, dass eine Verfassung einen Geltungsbereich haben muss?
Die Verwirrung der Reichsideologen hängt vermutlich damit zusammen, dass sie selbst von einfachsten völkerrechtlichen Begriffen keine blasse Ahnung haben. Dieser Umstand zeigt sich nicht zuletzt dadurch, dass sie auch mit der klassischen Drei-Elemente-Lehre nach Jellinek nicht viel anfangen können.
"Aus der Sicht des Völkerrechts ist der Staat ein Völkerrechtssubjekt, dessen konstituierende Merkmale das Staatsgebiet, das Staatsvolk und die (effektiv ausgeübte) Staatsgewalt bilden." (Hervorhebungen von mir)
Reichsideologen behaupten häufig, dass die drei Merkmale Staatsgebiet, Staatsvolk und Verfassung seien, so ein "Reichspräsident" Matthes Haug im Interview mit einem Regionalsender im Jahre 2003. Unwissenheit oder Absicht? Jedenfalls wird hier die krause Weltsicht der Reichsaktivisten deutlich. Ein Staat, der eine Verfassung, aber nicht die Möglichkeiten hätte um auf seinem Territorium hoheitliche Akte zu tätigen (die Staatsgewalt auszuüben), fristete ein ebensolches Schattendasein wie - das Deutsche Reich. Andererseits existieren in der Realität zahlreiche Staaten ohne Verfassung und Geltungsbereich (Bsp. Großbritannien), völlig unbeeindruckt von der Logik nach Reichsart. Und jetzt noch mal langsam zum Mitdenken: Der Staat braucht die Verfassung nicht (unbedingt), aber die Verfassung braucht den Staat.
Hinzufügen möchte ich der Vollständigkeit halber, dass Grundgesetzänderungen nach wie vor die Zweidrittelmehrheit des Bundestags und Bundesrats benötigen - weshalb die Behauptung, James Baker haben 1990 mir nichts, dir nichts Art. 23 GG "gestrichen", völlig absurd ist.
Dies sind nur zwei Beispiele für die "Argumentation" der Reichsanhänger. Typisch sind sie allemal: Immer wieder stößt man auf dasselbe Schema von Halbwahrheiten, Unwissenheit oder vorsätzlicher Lüge.
Auf das schnelle Geld mit den Personal- bzw. "Personenausweisen" (KRR-Neudeutsch) setzt inzwischen eine Vielzahl von aus dem Boden sprießenden Regierungen in Konkurrenz zur KRR und ER. Daneben gibt es eine Hand voll von exotischen Einzelkämpfern, die sich oft nicht eindeutig einer bestimmten Gruppe zuordnen lassen. Was macht den Erwerb der sauteuren "Ausweise" so begehrenswert? Nun, es sind in der Hauptsache diese Versprechungen:
· Gerade in der Anfangszeit der "Reichsregierungen" wurde behauptet, dass "Reichspersonenausweisinhaber" als Bürger des "Deutschen Reiches" der Bundesrepublik "exterritorial" gegenüberstünden und somit nicht der bundesdeutschen Gerichtsbarkeit unterlägen. Später versteifte man sich darauf, dass die Gerichte der BRD nicht anzuerkennen seien, da durch die angebliche Streichung von Artikel 23 des Grundgesetzes die Bundesrepublik Deutschland de jure "erloschen" sei (siehe oben).
· Nach Reichslogik heißt das Straffreiheit für "Reichspersonenausweisinhaber". Die "Regierungen" ködern ganz gezielt Menschen die in wirtschaftlichen Schwierigkeiten stecken oder mit der Justiz in Konflikt geraten sind, wobei die Palette von Verkehrssündern bis hin zu Schuldnern reicht denen die Zwangsräumung droht. Dass die Reichsdokumente bisher noch niemandem vor Gericht genützt haben und die Berufung auf die "Argumente" der Reichsaktivisten bisher höchstens in den Ruin geführt hat will ich hier nicht verschweigen.
· Vor Gericht laufen die Dinge nämlich ein wenig anders. Bisher erfolgte noch kein einziger Freispruch aufgrund der "Reichsargumentation". Richtig ist jedoch, dass einige Verfahren wegen Ordnungswidrigkeiten eingestellt wurden, bei denen es um kleine Eurobeträge ging. Man kennt das ja: Statt das Urteil zu akzeptieren und ihre 20€ zu bezahlen legen Querulanten immer wieder Berufung ein. Nur um den Verwaltungsaufwand zu begrenzen stellen dann manche Richter das Verfahren ein. Mit den "Argumenten" der "Reichsregierungen" hat das aber rein gar nichts zu tun. Unbestreitbar ist, dass diese Milde der Gerichte den ideologischen Hintergrund der Reichsanhänger nicht berücksichtigt und so keinen guten pädagogischen Effekt erzielt.
Polizei und Verfassungsschutz haben bisher recht milde auf die Reichsideologen reagiert. Staatsanwälte argumentierten häufig, dass es sich bei den verkäuflichen "Reichspersonenausweisen" und -Führerscheinen um "Spaßausweise" handle, die für jedermann sofort als nicht amtliche Dokumente erkennbar seien - etwa ähnlich den Spielzeugausweisen aus dem Micky-Maus- oder YPS-Magazin (mit Gimmick). Demnach könnten die "Reichsregierungen" auch nicht wegen Urkundenfälschung belangt werden. Ähnlich sieht es mit den fantasievollen Ämterbezeichnungen aus, welche sich die "Regierungsmitglieder" gegenseitig zuschanzen. Der Spaß hört jedoch auf, wenn ein gewisser Norbert Schittke, "Reichskanzler" in Bradlers "Exilregierung", in einem Brief an Bundeskanzler Schröder ultimativ zur Machtübergabe auffordert und mit einer putschbereiten Truppe von (fraglos nur in seiner Fantasie vorhandenen) 35.000 Mann droht ("Mona Lisa" am 14.4.05, ZDF). Hinzu kommt eine Reihe von ruinierten Existenzen, die sich vor den deutschen Behörden auf die "reichsrechtliche Rechtsberatung" des Herrn Ebel oder anderer Dummschwätzer verlassen haben. In letzter Zeit mehren sich die Hinweise, dass sich endlich die Staatsanwaltschaften und die Landesämter für Verfassungsschutz der "Reichsregierungen" verstärkt annehmen.
Immer wieder bestreiten die Aktivisten der "Reichsregierungen" Verbindungen zum Rechtsextremismus. Auf viele ihrer Anhänger mag das durchaus zutreffen. Viele Besitzer von Reichs-"Personenausweisen" sind gutgläubige Narren, die sich das Geld aus der Tasche ziehen lassen. Doch auf "Regierungsebene" verwischen oft die Grenzen zwischen rechtsextremer und Reichsideologie. So verbreitet im "Reichsforum" des Uwe Bradler ein ehemals ranghoher Funktionär der NPD Baden-Würtembergs nationalsozialistisches Gedankengut reinsten Wassers, ohne vom Administrator der Forums gelöscht oder wenigstens kommentiert zu werden. Ideologische Gemeinsamkeiten zwischen Reichsaktivisten und Rechtsextremen sind nicht von der Hand zu weisen:
 · Die BRD ist nicht der legitime deutsche Staat. Auch der Bundesvorsitzende der NPD, Udo Voigt, bekennt sich zum "Deutschen Reich" und bezeichnet die BRD als "Regime", das "abgewickelt" werden muss.
· Das deutsche Grundgesetz ist keine Verfassung, da es nicht wie die Weimarer Verfassung von 1919 vom Volk gewählt wurde. (Die Weimarer Verfassung wurde zwar auch nicht vom Volk gewählt, aber solche Feinheiten spielen für Rechtsextreme keine Rolle.)
· Daher ist Deutschland kein souveräner Staat, zumal es nach wie vor von alliierten Truppen besetzt ist. (Mit den Besatzungstruppen sind wohl kaum die amerikanischen Stützpunkte gemeint, deren Bestand durch beidseitig kündbare völkerrechtliche Verträge geregelt ist - was gerade die Souveränität der Bundesrepublik Deutschland unterstreicht. Ferner gilt ein Staat als besetzt, in dem die Okkupationsmacht de facto das öffentliche Leben kontrolliert - während sich die Kontrolle Deutschlands durch die Mächte des Zweiten Weltkriegs heute auf McDonalds und Pizzabuden zu beschränken scheint.)
Die Hoffnungen der Reichsanhänger sind erfüllt von der naiven Erwartung, dass das Reich "in Kürze" wieder auferstehen werde. Jahr für Jahr prophezeit die eine oder andere "Regierung" Termine für die Machtübernahme, die freilich ohne Ereignis verstreichen. Was genau im "Deutschen Reich" besser werden soll vermag niemand zu sagen. Einmarsch in Polen wegen der "völkerrechtswidrigen" Oder-Neiße-Grenze? Heimholung der neuschwabenländer Flugscheiben-Kolonie ins Reich? - Es gibt keinerlei konkrete politische Aussagen, Hauptsache es macht "peng" und das Reich ist da, dann lösen sich alle Probleme von selbst.
Es bleibt die Frage, was die "Reichsregierungen" für die Auflistung der dümmsten Verschwörungstheorien aller Zeiten qualifiziert, statt das Thema einfach an "Nepper, Schlepper, Bauernfänger" zu verweisen, wie es gewöhnlichen Trickbetrügern gebührt? Nun, ich behaupte, dass die KRRler gar nicht ohne Verschwörungstheorien auskommen. Erst vor dem Hintergrund einer ausgeklügelten Weltverschwörung erhalten ihre krausen Ansichten so etwas Kohärenz.
Immer wieder greifen die Aktivisten auf das Gedankengut der Verschwörungsphantasten zurück. So ist die "Regierungserklärung" eines "Reichskanzlers" Florian Davidis, ein Mitglied der Truppe um den erwähnten Matthes Haug, in weiten Teilen eine umgeschriebene Version eines verschwörungstheoretischen Textes, der erstmals vor gut drei Jahren bei www.aufklärungsarbeit.de erschien. Das Herzstück der Schrift, die in jeder Verschwörungstheorie zentrale Frage "Wer ist Schuld?", hat Davidis sogar wörtlich übernommen. Es bleibt dem Leser überlassen, welchem Lieblingsfeind er die Verantwortung für die Misere Deutschlands und das Elend der ganzen Welt andenken will: Den Illuminaten etwa, oder vielleicht doch lieber den Juden, also "Jenen"? Davidis:
Das wichtigste ist jedoch immer, zu wissen, was das Volk tut und denkt. Darauf folgen Handlungen um das Volk in seiner Denkweise zu steuern. Ein berühmter Satz, der von einer mächtigen Gesellschaft vor über 100 Jahren festgehalten wurde, lautet wie folgt:
"Unsere Politik darf nichts unerwartetes hervorrufen. Wir geben den Grund für jede Handlung und greifen somit einem selbstständigen Tun voraus - haben somit stets die Kontrolle. Indem das Volk denkt agiert zu haben, hat es nur reagiert."
Das allerwichtigste bei der Durchführung von Aktionen, die der Machtausbreitung und Festigung dienen, ist somit die Ablenkung.
(Anm.: Das Zitat erinnerte mich spontan an die gefälschten "Protokolle der Weisen von Zion", stammt aber offenbar aus einer anderen, unbekannten Quelle. Zwar weist die Zeitangabe "vor über 100 Jahren" ungefähr in die Entstehungszeit der "Protokolle", doch die "mächtige Gesellschaft" suggeriert eher den Einfluss eines Geheimbundes wie den ominösen Illuminaten. - Der Autor)
Und weil das Internet nichts vergisst hier der Link auf den originalen Text.
Vergegenwärtigen Sie sich die zentrale Aussage der KRRs: Die BRD sei nicht der legitime deutsche Staat - aber nur die "Reichsregierungen" wissen das. Stellen Sie sich vor, seit Jahrzehnten (spätestens seit 1990) spielen tausende von Richtern, Staatsanwälten, Staatssekretären, Politikern usw. dem Volk etwas vor - denn die BRD gibt es nicht! Die wahren Ausmaße der ungeheueren Verschwörung werden erst dann deutlich wenn Sie berücksichtigen, dass nicht nur unsere einheimischen Amt- und Würdenträger unter einer Decke stecken, sondern die Regierungen aller Staaten, die die BRD als deutschen Staat und die Bundesregierung als seine gewählten Repräsentanten anerkennen - und das sind ziemlich viele, nämlich alle 193 Staaten! Oder haben Sie schon einmal erlebt, dass Jacques Chirac mit Wolfgang Ebel im Königsweg 1 in Berlin verhandelt oder Queen Elizabeth II. auf Staatsbesuch bei Uwe Bradler im schönen Faßlochsberg 28 in Magdeburg vorbeischaut? Wohl kaum. Daran sehen Sie, dass alle unter einer Decke stecken und sich gegen Deutschland, pardon, das Deutsche Reich, verschworen haben. Ja, 99,9% der Weltbevölkerung sind gegen uns. Dass die "Reichsregierungen" diesen ausgemachten Schwachsinn seit bald 20 Jahren für bare Münze nehmen, ja das ist mir einen Eintrag in die "Dümmsten Verschwörungstheorien" wert. Amen!

Frohe Weihnachten

Allen Lesern wünsche ich Frohe Weihnachten und geruhsame Feiertage!

Dienstag, 22. Dezember 2009

Ahmadiyya Vorzeige-Islam?

Den Gründer der Ahmadiyya-Bewegung habe ich bereits dort zu Wort kommen lassen: "Ist die Ahmadiyya wirklich harmlos?" Aber was schreibt die sogenannte Lahore-Abspaltung über die Motive und Ziele der Ahmadiyya auf ihrer Homepage www.muslim.org?
The tenth distinction: Faith in the dominance of Islam

Besides what has been mentioned above there are also other matters in which Ahmadiyyat has differed from other Muslims but none of these differences is related to problems of jurisprudence (Fiqh). It is evident from the foregoing remarks that wheresoever Ahmadiyyat has differed from other Muslims it is only in its efforts to restore the original beauty and simplicity of Islam, to make Islam a rational, scientific and progressive religion once again so that its influence may penetrate deep into the hearts of men and so that Islam may rise once more in the world. The Christian scholars have laboured to show that the Ahmadiyya Movement is the result of the contact of European civilization with Islam. But in the history of modern India we find two separate movements among Muslims. The one started by Sir Sayyid Ahmad Kha¯n of Aligarh and the other by Mirza Ghula¯m Ahmad of Qa¯dia¯n. The work done by Sir Sayyid towards educating Muslims is unique in its own way and nobody should deny its manifold advantages to Muslims. But as far as his religious views are concerned, which are sometimes stigmatized as naturiyyat, they mark a clear distinction between the two movements. Sir Sayyid and Hazrat Mirza Ghula¯m Ahmad both tried to solve problems facing Islam today in a rational way. But the religious movement of Sir Sayyid very often took the turn of slavish imitation of the European thought while the movement initiated by Hazrat Mirza had in view the conquest of Europe for Islam. The object of the former movement was also to save Islam from the onslaughts of the West but in this effort Islam was subjected to modern trends. But the latter Movement not only wanted to save Islam but also wanted to see it a triumphant religion of the world. This is not a mere presumption. The late Alla¯mah Shiblı¯ Nu?ma¯nı¯, who was one of the great admirers of Sir Sayyid, writes about him:
"This new thought is of two kinds. Either we find the same rotten stuff or far-fetched problems and arguments originated by the later Ash?arites, or every European belief or thought is regarded to be the only right standard of judgment. The Holy Qura¯n and the Hadı¯th is later ondragged in to harmonize with these ideas."
In the writings of Sir Sayyid the Qura¯n is ipso facto subjected to the European ideology but Hazrat Mirza wants Europe to kneel down before the Qura¯n. Sir Sayyid´s movement may be regarded a result of the impact of European thought on Islam in India but this is not true about the Ahmadiyya Movement. It has, on the contrary, helped to remove the effects of European thought on Muslims´ minds. It is in fact a panacea for the poison which the materialistic civilization has brought to the world of Islam. The Founder had a great passion for seeing the cause of Islam dominant in the world. Before his advent Islam in Indian Sub-continent was attacked from three sides. The attack of atheism and materialism in the form of European thought, the attack of Christian missionaries and the attack of the new Hindu sect A¯rya Sama¯j. Whatever Muslims were doing in their defence was quite ineffective. Sir Sayyid came forward to save Muslims from the influence of modern education but he was himself swayed by it and thus he wanted to make an apologetic compromise with it. One or two other persons also stood against the onslaught of Christian missionary activities, but on the whole Muslims remained passive and the Christian missionaries became more severe and menacing in their attacks against Islam. And as to the attack of the A¯rya Sama¯j nobody seemed to care for the defence of Islam. It was at this time that . Hazrat Mirza Ghula¯m Ahmad came to the forefront to uphold the cause of Islam. He not only defended Islam but also took an offensive against all these hostile forces within a short time. This made a great change in the circumstances and the invaders themselves were put to their defence. In short, every Ahmadı¯ harbours a feeling in his heart to see Islam a dominant religion in the world. He is fully convinced that, however slender the outward chance may be, Islam will flourish and dominate the world. It is because of this faith and enthusiasm that he is ready to sacrifice his all for this object. There lies the secret of the success of Ahmadiyya Movement in its preaching of Islam. In brief, Ahmadiyyat is not a sect distinguished on minor differences of Sharı¯?ah from other Muslim sects. It is rather above all these petty differences. It is a movement for the spread of Islam and towards this its whole efforts are directed. It has done its best to remove all misconceptions about Islam which were a hindrance in the way of its propagation and progress. For this the Ahmadiyya Movement has sometimes differed from the current thought of Muslims and only this makes it differ from other Muslim sects. Such differences are not in fact internal but they only relate to those matters which are connected with the propagation and progress of Islam in the world. The Holy Prophet has himself described this age as the "age of corruption" when Islam will be set on a wrong track by its followers and its advancement will come to a standstill, and people will begin to despise this polluted form of Islam. By removing misunderstandings of this age of corruption the Ahmadiyya Movement has opened new vistas for the success and glory of Islam. Islam is, thus, once again on the march and is arresting the attention of the entire world.

http://www.muslim.org/bookspdf/trueconc/truecon-frm.htm
Noch irgendwelche Fragen?