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Montag, 8. September 2014

Aiman Mazyek hat Post

Aiman Mazyek, Vorsitzender des "Zentralrats der Muslime in Deutschland" (ZMD), hat einen schönen Text geschrieben. Über das brutale Terroristen-Heer vom IS (Islamischer Staat) in Syrien und Irak, dessen Treiben die Muslime verurteilen sollen, auch wenn es an sich nichts mit dem Islam zu tun hat. Denn "gleichzeitig wird uns täglich in den Medien vor Augen geführt, wie die ISIS im Namen des Islams schreckliche Verbrechen begeht. Die ohnehin zugenommene Islamfeindlichkeit hierzulande wird dadurch weiter angeheizt." So gesehen sind nicht nur die Muslime in der Pflicht, sondern auch "die Medien", die das ganze Elend berichten und so Islamophobie erzeugen. 
Daher hat der "Koordinationsrat der Muslime" (KRM) die laut Mazyek "folgenschwere" Entscheidung getroffen, eine konzertierte Aktion der Verbände unter dem Motto "Muslime stehen auf gegen Unrecht" bzw. "Muslime stehen auf gegen Hass und Gewalt" nach dem Freitagsgebet am 19.9. durchzuführen. "Ich will es so sagen und rede damit mitnichten der Reziprozität das Wort: Ich bin ein Jude, wenn eine Synagoge angegriffen wird, ein Christ, wenn in Irak diese vertrieben werden und ein Muslim, wenn Anschläge auf Moscheen hierzulande stattfinden. Uns wird allmählich klar, Empathie, Solidarität und Anteilnahme kann nicht plakativ oder argumentativ herbei lamentiert werden."
So weit, so gut. "Arsch huh, Zäng ussenander." Gegen die Botschaft ist an sich nichts einzuwenden, sieht man einmal von schiefen Vergleichen und eigenartigen Floskeln ab, die Mazyeks Texte typischerweise durchziehen. Allerdings kann es sich Mazyek am Schluß nicht verkneifen, aus den islamischen Überlieferungen (Hadith) zu zitieren, um die geplanten Aktionen sozusagen "theologisch" zu untermauern. Sein letzter Satz lautet: "Ferner sagt er [Mohammed]: „Ein Muslim ist derjenige, vor dem andere Menschen IN SICHERHEIT sind!“ 
Leider befindet sich unter dem "Zitat" keine Quelle, kein Link und kein Querverweis. Also bleibt nichts anderes übrig, als selbst einmal in den einschlägigen Sammlungen der Überlieferungen nachzusehen. Das kommt dabei heraus:
`Abdullah Ibn `Amr Ibnal `As, Allahs Wohlgefallen auf beiden, berichtete: Ein Mann fragte den Gesandten Allahs, Allahs Segen und Heil auf ihm: Wer ist der beste unter den Muslimen? Er erwiderte: Derjenige, vor dessen Zunge und Hand die Muslime sicher sind. [Sahih Muslim Nr. 57]
Abu Musa, Allahs Wohlgefallen auf ihm, berichtete:Ich fragte den Gesandten Allahs: Wer lebt den Islam am besten? Er antwortete: Derjenige, vor dessen Zunge und Hand die Muslime sicher sind. [Sahih Muslim Nr.59]
Abdullah Bin Umar (r) gibt an, den Heiligen Propheten (s) gesagt haben zu hören: »Ein wahrer Muslim ist der, vor dessen Hände und Zunge die anderen Muslime sicher sind. Der wahre Auswanderer ist der, der das verlässt, was von Gott verboten ist.« BUKHARI
Der Unterschied zu Mazyeks Version dürfte klar sein. Die Sammlungen von Muslim und Bukhari werden im Allgemeinen als "gesund", also authentisch angesehen. Auch in den englischen und französischen Übersetzungen o.g. Verse ist davon die Rede, dass die "anderen Muslime" vor den Muslimen "in Sicherheit" seien. Sie stützen gerade die These, dass dem Islam laut seiner heiligen Überlieferungen keine goldene Regel eingeschrieben ist, d.h. "was du nicht willst, das man dir tu, das füg auch keinem andern zu.", sondern in Ethikfragen doppelte Standards gelten, wobei die Trennlinie genau zwischen Muslimen und Nichtmuslimen verläuft. Oder zwischen Muslimen und anderen Muslimen, welchen erstere ihr Muslimsein aberkennen, was in Nahost derzeit pausenlos geschieht und meist im Blutbad endet. In dieses Bild passt auch, dass Christen und Jesiden im Irak laut Berichten von Überlebenden oftmals nicht erst von den heranrückenden IS-Kämpfern aus ihren Häusern vertrieben worden sind, sondern von ihren eigenen muslimischen Nachbarn.
Da zumindest mir kein einziger Vers aus den Hadith-Überlieferungen bekannt ist, der Aiman Mazyeks Version bestätigt, habe ich ihn am 6.9. per E-Mail um die Nennung seiner Quellen gebeten. Antwort steht aus. In die von ihm ausgemachte "Glaubwürdigkeitsfalle" tappt Aiman Mazyek zuerst selbst.

Link: "Muslime in der Glaubwürdigkeitsfalle"

Dienstag, 8. März 2011

Gehört der Islam zu Deutschland, Herr Mazyek?

Nachdem die Aussage des neuen Innenministers Hans-Peter Friedrich (CSU), der Islam gehöre historisch gesehen nicht zu Deutschland, in den Islamverbänden zu der inzwischen anscheinend auf Knopfdruck abrufbaren Empörung geführt hat, versucht Aiman Mazyek, Vorsitzender des "Zentralrats der Muslime in Deutschland" (ZMD), die Gegenthese aufzustellen. Ganz leicht ist das nicht, doch im Gegensatz zum Oberhaupt der "türkischen Gemeinde", Kenan Kolat, der sich im Stile eines halbstarken Jugendbandenchefs geriert ("Wenn der Innenminister Streit sucht, wird er ihn bekommen!") ficht Mazyek mit dem leichten Florett. Das Hackebeil packt Mazyek auch nur dann aus, wenn es nicht gegen einen Bundesminister, sondern die Inanspruchnahme der Meinungsfreiheit durch die namenlosen Normalbürger geht - die "islamophoben Geschwüre", wie er sich auszudrücken pflegte.
Zunächst fällt auf, dass Aiman Mazyek einmal mehr auf die "Differenzierung" verzichtet, die er islamkritischen Stimmen stets abverlangt. Der Islam gehört zu Deutschland. Der Islam? Ich dachte, es gibt nicht den Islam. Wann immer ein Skeptiker über einen Zustand klagt, der allem Anschein nach durchaus dem Islam zuzuordnen ist, zerfällt der Islam in seine ominösen "Facetten", bei denen es zu differenzieren gilt - und zwar solange, bis jede konkrete Kritik ins Leere läuft. Äußert sich ein islamischer Verbandsfunktionär hingegen über sein Klientel, gibt es den Islam plötzlich doch. Mazyek macht hier keine Ausnahme; er ist der Prototyp des islamischen Polit-Lobbyisten.
Ein arabisches Sprichwort besagt: "Die Liebe zum Vaterland kommt vom Glauben". Längst ist Deutschland im Herzen vieler Muslime Teil ihres Denkens, dessen sind wir alle Zeuge, nicht zuletzt bei unserer Fußballnationalmannschaft. 
Mir gellen noch jetzt die Pfiffe von 30.000 Türken in den Ohren, welche die deutsche Nationalhymne fast unhörbar machten, damals am 8. Oktober 2010 beim Qualifikationsspiel  Deutschland - Türkei für die Fußball-EM, ausgetragen im Olympiastadion von Berlin, im Herzen der Stadt mit den meisten türkischen Einwohnern westlich von Istanbul.
Die eigentliche Frage ist doch: Ist Deutschland bereit, seinen deutschen Muslimen eine Chance zu geben, oder verweist es – wie die Sarrazin-Thesen es deutlich machen – sie direkt auf die Anklagebank und geht damit einem konstruktiven Dialog aus dem Wege? 
Jeder Türkischstämmige, jeder Muslim hat in Deutschland prinzipiell dieselben Chancen auf Bildung und Arbeit wie jeder andere Bürger auch. Was Mazyek mit diesem Exkurs in die Sozialkunde bezweckt, wo doch auch Sarrazin nicht mehr will als Chancengleichheit, dürfte wohl die Erringung von mehr islamischer Einflußnahme der Verbände auf die bundesdeutsche Politik sein.
Wer übersieht, dass Europa, gar Deutschland, und Islam eine lange Geschichte verbindet, möge den West-Östlichen Divan unseres Nationaldichters Johann Wolfgang Goethes wieder einmal lesen, die großen Universalgelehrten Ibn Sina (Avicenna) und Ibn Ruschd (Averroes) zur Kenntnis nehmen oder wenigstens die 700-jährige Geschichte des Islam in Spanien berücksichtigen.
Wenn ein Dichterfürst ein Buch über eine Weltgegend veröffentlicht, von der er so gut wie keine Ahnung hat (vgl. Gotthold Ephraim Lessing, Nathan der Weise) dann ist das eine Geschichte, aber keine Geschichtsschreibung mit Anspruch auf  historische Faktizität und Plausibilität. Gleichwohl versuchen diverse Islam-Apologeten dieses Missverständnis auf die Spitze zu treiben, indem sie Goethe posthum zum Muslim erklären.
Die Leistungen Avicennas oder Averroes auf den Islam zurückzuführen ist ungefähr so, als würde man Lebenswerk und Bedeutung Giordano Brunos mit der Ketzerverfolgung durch die katholische Kirche erklären. Beide schufen ihre bahnbrechenden Werke nicht weil, sondern obwohl sie Muslime waren.  Sie und ihresgleichen kamen durch ihre Forschung in Konflikt mit der islamischen Orthodoxie, die ihre Schriften konfiszierte und vernichtete. Wissenschaft und freie Forschung wurden im Islam im Keim erstickt, das Wie und Wann hat dieses Blog bereits thematisiert.
Und das bis heute euro-arabische Malta, den europäisch-muslimischen Balkan, das vom Orient kulturell durchdrungene Sizilien und die über 500-jährige Enklave der muslimischen Tataren in Polen sind ein beredetes Zeugnis muslimischer Präsens in Europa.
Sowohl das sagenumwobene Al Andalus, der vielleicht 150jährigen Blütephase des maurischen Spaniens während der milden Herrschaft einer Berberdynastie, als auch die "Durchdringung" des süd- und südosteuropäischen Raumes gründeten letztlich auf der militärischen Konfrontation zwischen dem islamisch und dem christlich geprägten Kulturkreis, die sich jahrhundertelang nicht als Partner Seit an Seit, sondern als Feinde gegenüberstanden.  "Beredtes Zeugnis" legen auch die zahllosen Denkmale, Brunnen und Gemälde ab, die an die Türkenkriege und die Belagerung von Wien 1529 und 1683 erinnern, aber niemand käme deswegen auf die Idee, "der Islam" stehe an der Wiege Europas, der westlichen Zivilisation.
Schließlich bargen Muslime die griechischen-hellenistischen Fundamente der europäischen Zivilisation, vor allem Aristoteles, vor der Versenkung, indem sie sie ins Arabische übersetzten. Die griechischen Wissenschaften – als maßgebliches Erbe Europas – wanderten also vom Griechischen über das Arabische ins Lateinische. Wir stehen also im Abendland auch auf morgenländischen Beinen. 
Die Übersetzer der griechischen Quellen waren häufig gebildete Dhimmis, unterworfene Juden und Christen. Der Islam als religiöses System hat sich seit seiner Frühzeit vehement gegen die Befruchtung durch den hellenischen Geist gewehrt. Mit dem Absterben der Forschung gerieten auch die griechischen Wissenschaften und ihre Autoren in Vergessenheit; muslimische Plünderer vernichteten zehntausende von Original-Texten allein in der großen Bibliothek von Alexandria. Zudem: was an Wissen über den Umweg der arabischen Gelehrten nach Europa drang (allerdings ebenso über das oströmische Reich, doch das verschweigt Mazyek), trug keinen islamischen Impuls in sich, sondern war eben - griechisch.
Die Befruchtung der abendländischen Zivilisation durch den Islam war nicht essentiell und ist im Einzelfall nicht nachweisbar. Wo ist der Einfluss des Islam auf die politischen Systeme der europäischen Staaten? Auf die Gewaltenteilung? Wo auf die Rechtsprechung? Welche Rolle spielte der Islam in der europäischen Wirtschaftsgeschichte, der Entwicklung von Bankwesen, von Freihandel? Was ist sein Anteil an der Aufklärung, an Bürger- und Menschenrechten, der Emanzipation der Frau?
Hätte der Islam all diese Entwicklungen vorgelebt oder wenigstens nachvollzogen, bräuchten wir keine "Islamkonferenz" und bräuchte es keinen "Dialog". Veranstaltungen dieser Art nutzen Islamverbände wie Mazyeks ZMD seit Jahren, um sich als Stimme "der Muslime" zu profilieren und Zug um Zug ihre Schlüsselposition in der Integrationsdebatte auszubauen. In der Folge beherrschen inzwischen Themen das politische Alltagsgeschäft und die Massenmedien, die noch vor wenigen Jahren vollkommen nebensächlich waren. Etwa die Rolle der Scharia, des allahgegebenen islamischen Rechts. Unter dem Begriff der Scharia konnte sich noch vor zehn Jahren kaum jemand etwas vorstellen - heute scheint sich der gesamte Diskurs nur noch darum zu drehen, wie (nicht ob!) die Scharia in das deutsche Recht "integriert" werden kann. Und genau dieses mächtige Hereindrängen des Islam in das europäische Bewußtsein sowie die gesellschaftlichen Scherkräfte, die dadurch entstehen, sind letztendlich Beleg dafür, dass "der Islam" historisch nicht zu  Deutschland, nicht zu Europa gehört.

Bloginterne Links:





Mittwoch, 3. März 2010

Im "Dialog": Williamson und Mazyek

Neues von Holocaustleugner-Bischof Williamson! Die SZ schreibt:
In einer E-Mail-Kolumne wettert er gegen den Islam. Dieser sei "eine einfache und gewalttätige Religion, welche die ganze Welt mit dem Schwert zu erobern" trachte, schreibt der Brite. Der Islam sei "eine Geißel Gottes", das Christentum habe ihn "tausend Jahre lang nur durch das Schwert in Schach halten" können.
Williamson schreibt in seiner wöchentlichen Kolumne, die per E-Mail verbreitet wird, der Islam sei vor etwa 1400 Jahren als "Abspaltung von der katholischen Christenheit im Nahen Osten" entstanden und habe sich dann "wie ein Lauffeuer" verbreitet. Für mehrere Jahrhunderte habe der Islam auch Spanien "besetzt" und sei kurz sogar nach Frankreich eingebrochen.
Die einzige Behauptung aus dieser Reihe, die sich nicht sofort verifizieren lässt ist die, dass es sich beim Islam ursprünglich um die Abspaltung einer frühchristlichen Sekte handelt. Von diesem Standpunkt aus betrachtet, wäre der gesamte Islam also nichts anderes als Häresie.
Pikanter Weise sieht "der Islam" die Sache genau anders herum: Stammvater Abraham war Muslim, die nach ihm kamen, verfälschten die reine Offenbarung Allahs, wurden Juden und Christen. Die einzige Religion bei Allah ist jedoch der Islam (vgl. Koran, 3,19).
Ansonsten aber liegt Williamsons "Entgleisung" vor allem darin, dass er gegen das oberste Gebot des "Dialogs" verstößt das da lautet: "Du sollst nicht vergleichen!" Dass die Westgoten den Muslimen ihr Spanien nicht urkundlich geschenkt haben und auch die Schlacht von Tours und Poitiers keine Schnitzeljagd war, liegt auf der Hand. Heute ist es jedoch modern, alles mögliche als Erklärung dafür heranzuziehen, wie es sein konnte, dass die Araber nur 100 Jahre nach Mohammeds Tod mitten in Frankreich standen - nur nicht die frühislamische Dschihad-Doktrin. ("Klimaveränderungen" in Arabien gelten derzeit als der Weisheit letzter Schluss.) Weiter im Text der SZ:
Heute, da die europäischen Christen dabei seien, ihren Glauben zu verlieren, erlaubten sie den "Mohammedanern", nach Europa zurückzukommen: "Nicht durch das Schwert, aber durch Einwanderung", so Williamson weiter. Die "Mohammedaner" wollten auf die Weise "in die Lage gelangen, Europa zu erobern".
Und manche "Mohammedaner" tun wenig dazu, diese Befürchtungen zu zerstreuen:
Das, was Sultan Süleyman mit der Belagerung Wiens 1529 begonnen hat, werden wir über die Einwohner, mit unseren kräftigen Männern und gesunden Frauen, verwirklichen. (Vural Öger, "Öger-Tours")
Durch die Gnade Allahs leben wir in einem der reichsten Länder dieser Erde… […] Ich glaube nicht, dass es unmöglich ist, dass der Bundeskanzler im Jahre 2020 ein in Deutschland geborener und aufgewachsener Muslim ist, dass wir im Bundesverfassungsgericht einen muslimischen Richter haben. Dieses Land ist unser Land […]. Mit der Hilfe Allahs werden wir es […] der islamischen Ummah […] zur Verfügung stellen. (Ibrahim El-Zayat, Islamfunktionär in Deutschland)
Die Demokratie ist nur der Zug, auf den wir aufsteigen, bis wir am Ziel sind. Die Moscheen sind unsere Kasernen, die Minarette unsere Bajonette, die Kuppeln unsere Helme und die Gläubigen unsere Soldaten! (Recep Tayyip Erdogan, Minsterpräsident der Türkei) 
Der Herrschaftsanspruch des Islam gründet sich nicht zuletzt auf folgende selbsterfüllende Prophezeiung aus dem Koran (Sura 9, Vers 33):
[Allah] ist es, Der Seinen Gesandten mit der Führung und der wahren Religion geschickt hat, auf daß Er sie über alle (anderen) Religionen siegen lasse; mag es den Götzendienern auch zuwider sein. (Übers. Rassoul)
Weiter in der SZ:
Der Bischof sieht deshalb einen blutigen Krieg heraufziehen: Obwohl Europa täglich mehr "verfaule", gebe es noch viele Europäer mit einer so großen Liebe zur eigenen Lebensart, "dass sie diese mit einem Blutbad verteidigen werden, wenn sie zu stark von außen bedroht scheint oder wird". Es erscheine immer wahrscheinlicher, dass Gott dieses Blutbad "als Strafe zulassen" könne.
Die Beschwörung bürgerkriegsähnlicher Zustände mag starker Tobak sein, doch dieser fromme Fatalismus ist in der Kirchengeschichte durchaus nicht ungewöhnlich. Eine Bischöfin Margot Käßmann verglich den verheerenden Tsunami 2004 mit dem "göttlichen Strafgericht" der Sintflut (Sünd-Flut), ohne irgendwelche Konsequenzen tragen zu müssen. Eine nicht von der Hand zu weisende Tatsache ist jedoch die Integrationsunwilligkeit bestimmter muslimischer Migranten-Milieus und die Ohnmacht der Politik, diesen Missstand zu beheben oder wenigstens zum Thema zu machen. So ist es wenig erstaunlich, dass die Vorsitzende des "Zentralrats der Ex-Muslime" Mina Ahadi, eine Atheistin und iranische Kommunistin im Exil, Williamson´s beklemmendes Szenario vor einigen Tagen im Interview vorwegnahm: 
derStandard.at: Es wird auch sehr offen gegen Muslime gehetzt - mit Sprüchen wie "Daham statt Islam".
Ahadi: Genau das ist mein Problem. Davor habe ich schon vor zehn Jahren gewarnt. Aber keiner hat eine effektive Politik gegen die Rechten gemacht. Jetzt sitzen wir hier. Und wenn in den nächsten zehn Jahren immer noch nichts passiert, dann haben wir ein großes Problem. Dann werden Ausländer auf der Straße geschlachtet werden. (Quelle: Der Standard)

Laut Ahadi ist es genau diese fehlende inhaltlich-kritische Auseinandersetzung mit Islam bzw. Islamismus, die dieses Szenario wahrscheinlich werden lässt.
All das kann Islam-Funktionär Aiman Mazyek (Zentralrat der Muslime) nicht auf dem islamischen Heilsobjekt sitzen lassen. Die SZ zitiert:
Der Geschäftsführer des Zentralrats der Muslime in Deutschland, Aiman A. Mazyek, sagt, Williamson zeige einmal mehr, "dass er Brandstifter und Hassprediger ist, ganz in der Tradition eines fanatischen Kreuzritters". Mazyek fügt hinzu: "Nach dem Antisemitismus folgt nun beinahe logisch die Islamfeindlichkeit."
Die Substanzlosigkeit dieser Einlassungen zeigt, dass Mazyek in der Sache nichts entgegenzusetzen hat als Worthülsen und die Hoffnung, diese mögen ihre einkalkulierte Wirkung nicht verfehlen. So sind die Kreuzzüge nicht etwa aus dem Nichts entstanden, sondern als Reaktion auf die ungebremste islamische Expansion "mit dem Schwert" im östlichen Mittelmeerraum. Das Turkvolk der Seldschuken wäre vermutlich Jahrhunderte vor den Osmanen vor Wien und dem europäischen Kernland angelangt, wenn die Kreuzfahrerstaaten der Levante und Konstantinopel die Kräfte der islamischen Glaubenskämpfer nicht vor Ort gebunden hätten. Der von Mazyek diagnostizierte christliche "Fanatismus" ist zwar evident (s. Judenpogrome im Zuge der Kreuzzugspropaganda), ändert aber nichts an der Ausgangslage.
Als weiteres argumentatives Eigentor entpuppt sich die auch nur "beinahe logische" Ablösung des Antisemitismus durch "Islamfeindlichkeit". Denn der Antisemitismus hat nicht nur den Untergang des "Dritten Reiches" überlebt, sondern feiert nicht zuletzt durch die "kulturelle Bereicherung" durch originär islamische Judenfeindschaft fröhliche Urständ. Nachdem der Islam im Gegensatz zu Juden- und Frühchristentum zu keiner Zeit einer erheblichen Verfolgung ausgesetzt war, versucht Mazyek nun, den Schulddruck auf die europäischen "Altgesellschaften" für proislamische Zwecke zu kanalisieren.
Um auf Williamsons einzig angreifbare Äußerung einzugehen - der Islam als frühchristliche Häresie - fehlt es Mazyek entweder an der intellektuellen Höhe, oder aber der ZMD-Funktionär fürchtet die  geistige Überforderung seines Publikums.
Der Dialog-Profi Peter Hünseler formuliert abschließend dementsprechend vorsichtig:
Der Geschäftsführer der Christlich-Islamischen Begegnungs- und Dokumentationsstelle der Bischofskonferenz (Cibedo), Peter Hünseler, bezeichnet Williamsons Äußerung als "Entgleisung" und "Anmaßung". "Die Aussage von Bischof Williamson ist falsch. Sie wird dem Islam nicht gerecht und hält keiner wissenschaftlichen Auseinandersetzung stand", betonte Hünseler.
Als Projektionsfläche für islamophile Propaganda ist der Holocaustleugner Williamson eine überaus nützliche Erscheinung.

 

Dienstag, 26. Januar 2010

Zentralrat fühlt sich ausgegrenzt

Islam.de, die Homepage des "Zentralrats der Muslime", veröffentlicht einen Artikel zu einer Studie "Muslims in Europe", nach welchem angeblich nur 11% der Muslime in Deutschland mutmaßen, jemals "als Deutsche wahrgenommen" zu werden. Der Text strotzt nur so von ebenso tendenziösen wie nebulösen Phrasen.
Eine Mehrheit [der Muslime] fühle sich längst in deutschen Großstadtkiezen daheim, hier engagierten sich Muslime auch mehr als früher, sagte Werner Schiffauer von der Viadrina-Universität Frankfurt/Oder, der an der Studie mitgearbeitet hat. Dass muslimische Eltern kein Interesse an der Ausbildung ihrer Kinder hätten, sei ein Vorurteil! Viele wünschten sich Erfolge für ihre Kinder, fühlten sich dem "komplexen Gebilde Schule" aber nicht gewachsen.
So werden die Balken zurechtgelogen, bis es kracht.
Quelle: http://www.islam.de/15276.php


Donnerstag, 14. Januar 2010

Mazyek: Islamkritik = rechtsradikal = Terror in Malaysia


Aiman A. Mazyek schreibt einen Artikel über Malaysia und ein Gerichtsurteil, das es den dortigen Christen wieder erlaubt, den Begriff „Allah“ für Gott zu verwenden und zitiert dabei zweimal aus dem Koran. Wenn jemand wie Mazyek aus dem Koran zitiert, ist das schon ein Grund, genauer hinzuschauen.
Mazyeks Text hebt mit folgenden Worten an:
Die Debatte in Malaysia zeigt erstaunliche Parallelen zu Deutschland: Christliche Fundis und Rechte wettern wie ihre ideologischen Vettern in Malaysia: Exklusivistisch, verletzend und aggressiv.
Der Leser ist verwirrt, denn durch diesen Auftakt mag der Eindruck entstehen, dass es in Malaysia wie auch in Deutschland die Christen seien, die exklusivistisch, verletzend und aggressiv vorgehen – gegen den Islam. Mazyek legt von Beginn an eine falsche Fährte, denn wenn der Vergleich zwischen Deutschland und Malaysia zutreffen sollte, hätte er darauf hinweisen müssen, dass hierzulande eben kein Gericht die Muslime zwingt, „Allah“ durch „Gott“ zu ersetzen. Ein raffinierter Trick, denn auf diese Weise gelingt es dem Verfasser, „christliche Fundis“ und „Rechte“ mit radikalislamischen Strömungen in Malaysia gleichzusetzen, die dort übrigens auch allen anderen Buch- und Naturreligionen das Leben schwer machen, ohne dass er diese überhaupt erwähnt. Das tut Mazyek aus einem ganz bestimmten Grund, auf den wir gleich zurückkommen werden.
Statt unmittelbar auf die Rolle des Islams im Konflikt einzugehen, nimmt Mazyek direkt Deutschland und Christentum ins Visier:
In Europa und speziell in Deutschland wird leider auch immer öfter und militanter aus christlich fundamentalistischen Kreisen und Gruppen versucht, Identität durch Abgrenzung zu den Muslimen zu erzeugen, und zwar ähnlich wie in Malaysia mit der Diskussion um Gott/Allah, nur in umgekehrter Stoßrichtung versteht sich.

Mit diesem aberwitzigen Konstrukt wird der Mehrheit unterstellt, sie definiere ihre Identität über Ausgrenzung der Minderheit statt über eigene Werte. Kein Wort über die Selbstausgrenzung des Islam, der im Falle Malaysias selbstherrlich und höchstrichterlich der christlichen Minderheit an der Identität flicken wollte.
Der ehemalige MdB und rechte Hardliner Martin Hohmann ist da ein beredtes Beispiel dafür. Er behauptete doch allen Ernstes, Allah wäre eine „altarabische Naturgottheit" und die Muslime glauben nicht an den Gott der Christen. Diese These finden sich heute in vielen einschlägig bekannten rechtsradikalen Internetforen und Publikationen als „Wissen“ über den Islam wieder.

Womit Hohmann wenigstens insofern im Recht ist, als Allah im alten Arabien sich den Himmel mit zahlreichen Göttern teilte und Söhne und Töchter zeugte. Einen Nachhall dieser Götterwelt vor Mohammed gibt sogar noch der Koran in manchen seiner Verse, stärker erhalten hat er sich im arabischen Volksglauben in Form von Dschinns, dämon- oder halbgottartigen Wesen.
Es gehört allgemein zum Fahrplan und Weg der Rechten, dass sie über diese Themen weiter versuchen, die Muslime in diesem Land zu marginalisieren.

Wogegen Mazyeks Kollegen aus den Islamverbänden ja mit Muslim-Quoten anzukämpfen gedenken.
Motiv und Motivation bei all diesen Geisterdebatten ist die Angst vor dem Fremden, dem Unbekannten. Der nächste Schritt ist dann nicht mehr weit: Gegenüber dem Fremden muss zur Verteidigung des eigenen Glaubens geschritten werden, denn er unterwandert diesen ja. Und schon befindet man sich in einer destruktiven Abwehrschlacht. In so einer Phase sagt übrigens der Koran zu den Muslimen: „Euch eure Religion und uns unsere Religion“ (Koran: Sura 109, Vers 6). Ich würde mir wünschen, wenn wir Muslime diese Gelassenheit öfter an den Tag legen.

Was nichts anderes bedeutet, als dass jegliche Kritik am Islam als „Angst“ zu verstehen ist, gegen die der Islam bzw. der Koran selbst die einzige Therapie ist. Schlagen wir daher den Koran auf und lesen nach, was in Sure 109 (Titel: „Die Ungläubigen“) steht:
1: Sag: O ihr Ungläubigen,
2: ich diene nicht dem, dem ihr dient,
3: und ihr dient nicht Dem, Dem ich diene.
4:Und ich werde (auch) nicht dem dienen, dem ihr gedient habt,
5: Und ihr werdet nicht Dem dienen, Dem ich diene.
6: Euch eure Religion und mir meine Religion.

Diese Übersetzung stammt von islam.de, Mazyeks eigener Homepage. Sie belegt nun zweifelsfrei, dass der christliche Gott und der islamische Allah ein und derselbe sind. D.h., für Mazyek, jedenfalls. Auch wenn der Kommentar zur Übersetzung von Ullmann und Winter präzisiert:
Offenbart wurde diese Sure, als einige Araber von [Mohammed] verlangten, er solle ein Jahr lang ihre Götter verehren, dann wollten sie ebensolang Allah verehren.
Dass nämlich malayische Muslime im Umgang mit Andersgläubigen sehr wenig Gelassenheit an den Tag legen, erwähnt Mazyek erst in diesem Moment ausdrücklich. Um dann sogleich den Bogen zurück nach Deutschland zu schlagen:
Die Rhetorik in den Foren dort kommt einem dennoch seltsam bekannt vor, wird sie doch jeden Tag in den eben zitierten, einschlägig bekannten rechtsradikalen Internetblogs gegen die Muslime verwendet.

Mazyek nennt vorsichtshalber keins der rechtsradikalen Internetblogs. Vermutlich weil er sie selbst nur vom Hörensagen kennt und der Rechtsradikalismus erst im Einzelfall nachgewiesen werden müsste, was allerdings ein Differenzierungsvermögen voraussetzt und somit nicht zweckdienlich sein dürfte.
Es folgt nun das Schlussplädoyer von angeblich verletzter Menschenwürde und Religionsfreiheit über den frommen Wunsch, dass wir alle unserem „Schöpfer“ dienen mögen. Dann der letzte Trumpf, ein weiteres Koranzitat, das angeblich zu Lessingscher Gelassenheit ermuntert, in Wahrheit aber zum Bumerang wird und Mazyeks gesamte Islamkritiker-Kritik zum Einsturz bringt:
Warum können wir nicht (allesamt Juden, Christen, Muslime) die Lessingsche Gelassenheit an den Tag legen, zu dem uns der Koran (Sure 5, Vers 48) ermuntert: „Und hätte Gott es gewollt, Er hätte euch – Juden, Christen und Muslime - zu einer einzigen Gemeinde gemacht. Doch wollt Er euch prüfen in dem, was Er jedem von euch gab. Wetteifert darum in den guten Taten.“

Ja, warum können „wir“ das eigentlich nicht? Lesen wir erneut die Koranübersetzung von islam.de:
43: Wie aber können sie dich richten lassen, während sie doch die Thora haben, in der das Urteil Allahs (enthalten) ist, und sich hierauf, nach alledem, abkehren? Diese sind doch keine Gläubigen.
44: Gewiß, Wir haben die Thora hinabgesandt, in der Rechtleitung und Licht sind, womit die Propheten, die sich (Allah) ergeben hatten, für diejenigen, die dem Judentum angehören, walten, und so auch die Leute des Herrn und die Gelehrten, nach dem, was ihnen von der Schrift Allahs anvertraut worden war und worüber sie Zeugen waren. So fürchtet nicht die Menschen, sondern fürchtet Mich. Und verkauft Meine Zeichen nicht für einen geringen Preis! Wer nicht nach dem waltet, was Allah (als Offenbarung) herabgesandt hat, das sind die Ungläubigen.
45: Und Wir haben ihnen darin vorgeschrieben: Leben um Leben, Auge um Auge, Nase um Nase, Ohr um Ohr, Zahn um Zahn; und (auch) für Verwundungen Wiedervergeltung. Wer es aber als Almosen erläßt, für den ist es eine Sühne. Wer nicht nach dem waltet, was Allah (als Offenbarung) herabgesandt hat, das sind die Ungerechten.
46: Und Wir ließen auf ihren Spuren ʿĪsā, den Sohn Maryams, folgen, das zu bestätigen, was von der Thora vor ihm (offenbart) war; und Wir gaben ihm das Evangelium, in dem Rechtleitung und Licht sind, und das zu bestätigen, was von der Thora vor ihm (offenbart) war, und als Rechtleitung und Ermahnung für die Gottesfürchtigen.
47: Und so sollen die Leute des Evangeliums nach dem walten, was Allah darin herabgesandt hat. Wer nicht nach dem waltet, was Allah (als Offenbarung) herabgesandt hat, das sind die Frevler.
48: Und Wir haben zu dir das Buch mit der Wahrheit hinabgesandt, das zu bestätigen, was von dem Buch vor ihm (offenbart) war, und als Wächter darüber. So richte zwischen ihnen nach dem, was Allah (als Offenbarung) herabgesandt hat, und folge nicht ihren Neigungen entgegen dem, was dir von der Wahrheit zugekommen ist. Für jeden von euch haben Wir ein Gesetz und einen deutlichen Weg festgelegt. Und wenn Allah wollte, hätte Er euch wahrlich zu einer einzigen Gemeinschaft gemacht. Aber (es ist so,) damit Er euch in dem, was Er euch gegeben hat, prüfe. So wetteifert nach den guten Dingen! Zu Allah wird euer aller Rückkehr sein, und dann wird Er euch kundtun, worüber ihr uneinig zu sein pflegtet.
49: Und so richte zwischen ihnen nach dem, was Allah (als Offenbarung) herabgesandt hat, und folge nicht ihren Neigungen, sondern sieh dich vor ihnen vor, daß sie dich nicht der Versuchung aussetzen (abzuweichen) von einem Teil dessen, was Allah zu dir (als Offenbarung) herabgesandt hat! Doch wenn sie sich abkehren, so wisse, daß Allah sie für einen Teil ihrer Sünden treffen will. Viele von den Menschen sind fürwahr Frevler.
50: Begehren sie etwa das Urteil der Unwissenheit? Wer kann denn besser walten als Allah für Leute, die (in ihrem Glauben) überzeugt sind?
51: O die ihr glaubt, nehmt nicht die Juden und die Christen zu Schutzherren! Sie sind einer des anderen Schutzherren. Und wer von euch sie zu Schutzherren nimmt, der gehört zu ihnen. Gewiß, Allah leitet das ungerechte Volk nicht recht.

Und worin besteht nun die Lessingsche Gelassenheit? Darin, dass es nach den Worten des Koran Mohammed-Allah ist, der die „Rechtleitung“ und „Offenbarung“ bringt, die jüdische und christliche Frevler verfälscht und verdrängt haben.
Darum brannten die Kirchen in Malaysia, darum die islamische Selbstausgrenzung, darum wird der Konflikt weiter schwelen, solange der Wortlaut des Koran aus dem 7. Jahrhundert nach Christus die Grundlage des muslimischen Lebens sein soll. Denn extremistische, gewaltbereite Muslime berufen sich offenbar auf genau denselben Koran wie die friedfertigen Muslime.
Mazyek geht es nicht darum, islamische Extremisten zu bekämpfen, sondern den Islam in frommer Dschihad-Tradition zu verbreiten. Wäre dem nicht so, würde er andere Aspekte in den Mittelpunkt seiner Betrachtungen stellen.